„Was kann der Buddhismus für den Frieden in Europa beitragen?“ Vortrag von Prof. Dr. Schmidt-Glintzer

Am 4. Oktober 2014 fand anlässlich der Herausgabe der Publikation "Die Schriften Nichiren Daishonins" ein Vortrag und ein Chorkonzert im SGI-D Kulturzentrum in Mörfelden-Walldorf statt.

Mit zum Teil scharfen Worten hat sich der buddhistische Reformator des 13. Jahrhunderts, Nichiren Daishonin, über andere buddhistische Schulen geäußert. Einiges davon habe Nichiren, der wegen seiner Überzeugungen verfolgt worden sei, wohl im Zorn geschrieben, erklärte Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer. Der Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel präsentierte im Kulturzentrum der SGI in Walldorf vor 200 Zuhörern den ersten Band der neuen Übersetzung von Nichirens Werken. An dem Buch hat Schmidt-Glintzer als wissenschaftlicher Berater in den vergangenen Jahren mitgewirkt. 

Nichirens Werke, so der Professor, erinnerten ihn an die Wortgewalt reformatorischer Schriften des Christentums. Nichiren stehe damit in einer langen Tradition der Auseinandersetzung darüber, was die Kernaussagen der Lehre des historischen Buddhas seien. Anders als im Christentum habe es im Buddhismus nie eine allumfassende Organisation mit Lehrautorität gegeben. Immer hätten verschiedene Schulen miteinander um das rechte Verständnis gerungen.  

Diesen Diskussionsprozess spiegeln nach Einschätzung des Professors bereits die 84.000 Sutras („Lehrreden“), die Siddharta Gautama zugeschrieben werden, wider. Sie seien zum Teil erst Jahrhunderte nach dem Tod des Buddhas schriftlich fixiert worden. Der Buddhismus sei im Laufe der Geschichte mit vielen lokalen Kulturen verschmolzen. 

Nichiren, so Schmidt-Glintzer, stehe in der Tradition jener Buddhisten, die die herausgehobene Stellung des Lotos-Sutras betonen. Das Besondere an dieser Schrift sei, dass sie allen Lebewesen die Buddhanatur zuschreibe. Jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht, Bildungsstand oder seinem bisherigen Lebenswandel, könne hier und jetzt ein Buddha werden. Dabei würden Bodhisattvas („erleuchtete Wesen“) den leidenden Menschen aus Mitgefühl helfen. 

Nichirens Interpretationen des Lotos-Sutras würden mit der Neuübersetzung, die im katholischen Herder-Verlag erscheint, nun einem breiteren Leserkreis zugänglich, sagte der Wissenschaftler. Er ermunterte die Mitglieder der SGI, den Dialog mit anderen Buddhisten, aber auch mit dem Rest der Gesellschaft zu suchen. Dabei solle es um das Glück der Menschen, um Toleranz und Frieden, nicht um den „Wechsel von Zugehörigkeiten“ gehen. Er selbst, so der Katholik, sehe sich nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Buddhismus nicht nur als Christ, sondern auch als Buddhist.  Im Anschluss an seinen Vortrag stand Prof. Dr. Schmidt-Glintzer noch für Fragen und Antworten aus dem Publikum zur Verfügung.

Ein Konzert des Chors der SGI Deutschland rundete die Veranstaltung ab.

mic

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