Interreligiöser Gesprächsabend: Sinn und Unsinn von Opfern

Über den „Sinn und Unsinn von Opfern“ diskutierten Christen und Buddhisten bei einer Veranstaltung der Evangelischen Studierendengemeinde am Dienstag, 13. Mai 2014, in Würzburg.

Interreligiöser Gesprächsabend: Sinn und Unsinn von Opfern

Yoshiharu Matsuno, Foto: M. Caspar

Opfer, um Götter gnädig zu stimmen, gibt es im Buddhismus Nichiren Daishonins nicht, stellte Yoshiharu Matsuno, ein langjähriges Mitglied der SGI-Deutschland, klar. Es gibt keine Hilfe von außen. Jeder Mensch ist auf sich selbst angewiesen. Der Buddhist chantet und beteiligt sich an Aktivitäten seiner Glaubensgemeinschaft, um die Lebenskraft, den Mut, das Mitgefühl und die Weisheit für die Verfolgung der eigenen Ziele zu entwickeln. Ein „Geschäftsbuddhismus“ war Nichiren fremd. Es ginge nicht darum, sich mit mühevoll erbrachten Opfern Wohltaten oder Erleuchtung zu verdienen, führte Matsuno aus.

Auch im Christentum, so die Studentenpfarrerinnen Susanne Hötzel und Anni Hentschel, zieht der Mensch Gott nicht mit guten Taten oder Opfern auf seine Seite. Der Christ fühlt sich von Gott geliebt und handelt aus dieser Freude heraus zum Wohle anderer Menschen. Die beiden Lutheranerinnen betonten, dass sich der Mensch dabei anstrengen soll. Einige evangelische Christen würden Reformator Martin Luther missverstehen. Luther habe gelehrt, dass das Heil des Menschen ganz von der Gnade Gottes abhängig sei. Das dürfe man aber nicht zum Vorwand nehmen, um  passiv und bequem zu werden, meinte Hötzel.

Die Vorstellung, wonach Jesus Christus für die Sünden der Menschen am Kreuz den Opfertod gestorben sei, was für viele Christen das Zentrum ihres Glaubens bilde, sei für moderne Menschen schwer nachzuvollziehen, sagte Hötzel. Warum braucht ein liebender Gott ein Menschenopfer, um Sündern zu vergeben? Hentschel und Hötzel betonten, dass der biblische Text auch anders zu verstehen sei. Jesus sei nicht geopfert worden, sondern für seine Überzeugungen gestorben. Die Bereitschaft, mit dem eigenen Leben für den Glauben einzustehen, kenne auch der Buddhismus, erklärte Matsuno. Matsuno erzählte unter anderem vom Leben des buddhistischen Mönchs Nichiren Daishonin, der im 13. Jahrhundert in Japan lebte und seiner Überzeugung trotz lebensbedrohlicher Verfolgungen nicht abschwor. 

Abschließend machte Matsuno darauf aufmerksam, dass sowohl das Christentum als auch der Buddhismus den Menschen die Angst vor dem Tod nehmen. Christen glauben an die Auferstehung, Buddhisten an die Wiedergeburt. Eine solche hoffnungsvolle, ermutigende Botschaft sei die Existenzberechtigung von Religionen und biete die Basis für interreligiöse Dialoge. 

Der nächste Dialog findet am Dienstag, 25. November, um 20 Uhr in der ESG in Würzburg, Friedrich-Ebert Ring 27b, zum Thema „Wissen und Weisheit“ statt.

mic 

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