Meditation und Neurowissenschaften - Gedanken aus der Sicht des Nichiren-Buddhismus

„Nicht das Gehirn erzeugt das Bewusstsein, sondern das Bewusstsein benutzt das Gehirn“, erklärt Yoshiharu Matsuno, langjähriges Mitglied und Verantwortlicher der SGI-Deutschland. Matsuno sprach am 25. März 2014 in Kassel als Gast des interreligiösen Gesprächskreises „Religionen für den Frieden“ vor 60 Zuhörern. Sein Thema: „Meditation und Neurowissenschaften – Gedanken aus der Sicht des Nichiren-Buddhismus“.

Meditation und Neurowissenschaften - Gedanken aus der Sicht des Nichiren-Buddhismus

Yoshiharu Matsuno, Foto: M. Heinzerling

Matsuno führt als Beleg für seine These die Geschichte des amerikanischen Neurochirurgen Eben Alexander an. Der Chirurg habe im Koma gelegen. Gehirnströme im Neocortex hätten sich nicht mehr messen lassen. Trotzdem sei das Bewusstsein des Mannes erhalten geblieben. Alexander habe in diesem Zustand eine junge Frau gesehen. Von ihr sei er aufgefordert worden, ins Leben zurückzukehren. Der Chirurg habe die Frau später auf Fotos als eine früh verstorbene Verwandte identifiziert. 

Zu solchen Nahtoderlebnissen kommt es nach Einschätzung Matsunos auf der Schwelle des persönlichen zum kollektiven Unbewussten. Im kollektiven Unbewussten, Buddhisten sprechen von der achten Bewusstseinsebene, beständen die Toten als „karmische Information“ fort. Nach einer „Erholungsphase“ verkörperten sie sich erneut. Deshalb sei der Tod für Buddhisten nichts Beängstigendes. Matsuno: „Wer will schon in einem 200 Jahre alten Körper leben?“ Das Publikum, zu zwei Dritteln Nichtbuddhisten, lacht. 

Bewegt reagieren die überwiegend älteren Zuhörer auf Matsunos Ausführungen, wonach sich Personen in verschiedenen Leben immer wieder begegnen. Der Buddhist berichtet, dass er beim Chanten mit seiner Ehefrau, die er seit seinem ersten Schultag kenne, Zeitlosigkeit empfinde. Er wisse, dass er mit ihr schon in früheren Leben zusammengewesen sei und wolle es auch in späteren Leben wieder sein. Auch ihre vier Kinder wollten dann erneut zur Familie gehören. 

Gespannt hört das Publikum zu, als Matsuno von der Beeinflussung des Familienkarmas sieben Generationen zurück und nach vorne spricht. Das sei über die neunte Bewusstseinsebene, die Buddhanatur, möglich, sagt der Referent. Diese Buddhanatur würde durch die spirituelle Praxis des Chantens von Nam-Myoho-Renge-Kyo aktiviert. 

Durch das Mantra werde, so Matsuno, die rechte Gehirnhälfte trainiert. Dort ließen sich die Emotionen und Inspirationen verorten. Der Buddhist erzählt von der amerikanischen Hirnforscherin Jill Bolte Taylor, die durch einen Schlaganfall die Welt eine Zeit lang ausschließlich aus der Perspektive der rechten Gehirnhälfte erlebt habe. Matsuno: „Sie fühlte sich mit allem vereint und erlebte pure Freude.“ Die linke Gehirnhälfte, die das Sprechen, das logische Denken und das Rechnen ermögliche, sei ebenfalls notwendig. Diese Hälfte sollte aber nicht die andere Hälfte dominieren. 

Nachdem die Zuhörer viele Fragen gestellt haben, unterhalten sie sich noch lange mit den anwesenden SGI-Mitgliedern bei Tee und Keksen. Der Vortrag kam auf Anregung eines Buddhisten im Gemeindehaus der katholischen Kirche St. Familia zustande, der im interreligiösen Gesprächskreis mitarbeitet. Matsuno: „Alle Religionen sollten für das Glück der Menschen zusammenarbeiten.“ (mic)

 
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