Buddhismus Nichiren Daishonins
Auch der Buddhismus Nichirens gehört zum Mahayana-Buddhismus. Nichiren
(1222-1282) erhielt seine buddhistische Erziehung als Novize in einem
Kloster der Tiantai-Schule in Japan und beschäftigte sich von früher
Jugend an mit dem Lotos-Sutra. Das Japan des 13. Jahrhunderts war von
inneren und äußeren Auseinandersetzungen, Epidemien, Naturkatastrophen
und sozialer Ungerechtigkeit geprägt, was den Wunsch nach politischen
und religiösen Reformen laut werden ließ und zu verschiedenen
Reformbewegungen führte.
Nichiren vertrat die Auffassung, dass ein Neuanfang im Buddhismus Not
tat, der stets auf dem Respekt vor der Würde des Lebens basieren muss.
Durch seine Studien war er zu der Überzeugung gelangt, dass Shakyamuni
mit all seinen Lehren beabsichtigte, den Menschen den Zugang zu ihrer
Buddhanatur zu ermöglichen. Im Lotos-Sutra wurde für ihn am
deutlichsten dargelegt, dass alle Lebewesen - unabhängig von ethnischer
Zugehörigkeit, Nationalität, Geschlecht, sozialer Stellung oder
Vorbildung imstande sind, die Erleuchtung zu erlangen oder - mit
anderen Worten - in diesem Leben die Buddhaschaft zu verwirklichen.
Nichiren nahm diesen Gedanken auf und erklärte, dass die Widmung an das
Lotos-Sutra durch das Rezitieren seines Titels (japanisch "Myoho Renge
Kyo" - Mystisches Gesetz von Ursache und Wirkung) die ganze Tiefe der
buddhistischen Lehren enthält. Folglich ist es allen Menschen möglich,
unmittelbar den gleichen erleuchteten Lebenszustand zu erlangen wie der
Buddha selbst - eine zu damaliger Zeit revolutionäre Aussage.
Der zentrale Punkt in den Lehren Nichirens ist das Gesetz von Ursache
und Wirkung: Damit ist gemeint, dass jede Ursache, die wir in Gedanken,
Worten und Taten zum Ausdruck bringen, eine Wirkung nach sich zieht in
unserem Leben und dem unserer Umgebung. Am Ende seines Lebens, im Jahr
1279, schrieb Nichiren eine Schriftrolle ein, "Gohonzon" (wörtlich
übersetzt: "das, was wir zutiefst verehren sollten") genannt. Diese
Schriftrolle verkörpert das Gesetz von "Nam-Myoho-Renge-Kyo" in Form
eines Mandala. Viel mehr noch als ein Objekt der Verehrung ist diese
Schriftrolle mit chinesischen und Sanskrit-Zeichen ein spiritueller
Spiegel. Diese Schriftzeichen repräsentieren den höchsten
Lebenszustand, die Buddhaschaft. Im Zentrum des Gohonzons und mit
deutlich größeren Schriftzeichen dargestellt, steht
"Nam-Myoho-Renge-Kyo, Nichiren". Der Daishonin (ein Ehrenname für
Nichiren, der soviel bedeutet wie "großer Weiser") lehrte, dass - wenn
man an den Gohonzon glaubt und "Nam-Myoho-Renge-Kyo" vor dem Gohonzon
rezitiert und andere ermutigt, das Gleiche zu tun, man ganz sicher den
gleichen Lebenszustand erlangt wie der Buddha.