GOHONZON

Objekt zur Betrachtung von Geist und Herz

 

 

Der Gohonzon (japanisch: Objekt der Widmung) ist ein Schriftzeichen-Mandala, das den Ausübenden des Nichiren-Buddhismus dabei hilft, auf den Lebenszustand der Buddhaschaft in ihrem Leben zu vertrauen und ihn dadurch hervorzubringen. Der Gohonzon verkörpert die Wahrheit des Lebens, zu der Buddha Shakyamuni (500 v. Chr. in Indien) erleuchtet war. Shakyamuni offenbarte diese Wahrheit im Lotos-Sutra, das im Japanischen den Titel Myoho-Renge-Kyo trägt. Der buddhistische Gelehrte Nichiren, der im 13. Jahrhundert in Japan lebte, stellte diese Wahrheit kalligraphisch in Form des Gohonzons dar, um allen Menschen zu ermöglichen, sie selbst zu erkennen.

Der Gohonzon ist bewusst kein Abbild: weder Gemälde, noch Statue oder Skulptur. Nichiren wählte die Darstellungsform einer Kalligraphie. Mit der Schriftzeichen-Form drückt er aus, dass der Gohonzon als „Spiegel“ unserer innewohnenden Buddhanatur universell ist. Er transzendiert damit mögliche Trennungen zwischen Herkunft, Geschlecht oder sozialer Stellung und stellt alle Lebewesen auf eine Ebene. Das kalligraphische Schriftbild des Gohonzon besteht sowohl aus chinesischen als auch Sanskrit-Schriftzeichen. Die Schriftzeichen auf dem Gohonzon stellen eine Szene aus dem Lotos-Sutra dar: die sogenannte Zeremonie in der Luft. Es ist eine beeindruckende Szene, bei der sich ein gigantischer, mit Juwelen geschmückter Stupa (Schatzturm) in die Luft erhebt. Der Juwelenstupa ist eine Metapher für die grenzenlose Würde und Schönheit des Lebens.

Im Zentrum der Schriftrolle steht in kräftigen chinesischen Schriftzeichen Nam-Myoho-Renge-Kyo. Links und rechts neben Nam-Myoho-Renge-Kyo sind verschiedene positive und negative Tendenzen und Funktionsweisen des Lebens dargestellt. Sie alle sind Teil des Lebens. Durch die Wirkweise von Nam-Myoho-Renge-Kyo werden sie harmonisiert: Sie zeigen ihre erleuchteten Eigenschaften – also ihre bestmögliche Ausprägung. Auf diese Weise werden sie zu Funktionen, die Glück und Nutzen im Leben erschaffen. Ein Beispiel: Ärger kann eine sehr destruktive Tendenz sein. Im Licht der Schriftzeichen von Nam-Myoho-Renge-Kyo zeigt er seinen „erleuchteten“ Aspekt – und kann sich von nun an zum Beispiel konstruktiv gegen Ungerechtigkeit wenden. Darüber hinaus schrieb Nichiren auf dem Gohonzon seinen eigenen Namen unter Nam-Myoho-Renge-Kyo. Er drückte damit aus, dass der Zustand der Buddhaschaft kein abstrakter Begriff ist, sondern sich ganz konkret im Leben und Verhalten der Menschen zeigt.

Der Gohonzon verkörpert außerdem das Konzept vom Gegenseitigen Enthaltensein der Zehn Welten. Die Zehn Welten sind ein buddhistisches Prinzip, das zehn verschiedene Seinszustände beschreibt, die das eigene Leben manifestieren kann – von der Hölle bis zur Buddhanatur. Alle zehn Zustände können sich in jedem Augenblick des Lebens zeigen und beinhalten sich gegenseitig. Das heißt: Auch der höchste Seinszustand, die Buddhaschaft, existiert potenziell in jedem gegebenen Moment des Lebens. Buddhaschaft ist also kein Zustand außerhalb des täglichen Lebens oder des eigenen Daseins. Myo von Nam-Myoho-Renge-Kyo bedeutet Vollkommen ausgestattet sein. Das heißt: So wie wir sind, können wir die Buddhanatur in unserer gegenwärtigen Gestalt, an jedem Ort und zu jeder Zeit offenbaren. Wie Nichiren erklärt: „Suchen Sie den Gohonzon niemals außerhalb Ihrer selbst.“ Der Gohonzon ist also keine äußerliche Kraftquelle. Vielmehr zeigt er uns das grenzenlose Potenzial unseres und überhaupt allen Lebens auf.

Weiterhin verkörpert der Gohonzon eine ideale Welt und Gesellschaft, in der alle Menschen ihre Stärken und Fähigkeiten voll zum Tragen bringen. Genauso wie Shakyamuni und Nichiren es vorlebten, bedeutet die buddhistische Ausübung für die Mitglieder der Soka Gakkai, ihre Buddhaschaft inmitten der Freuden und Leiden des täglichen Lebens zu zeigen. Gleichzeitig unterstützen sie andere auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Buddhaschaft – für den Frieden und das Glück aller Lebewesen.

Jeder, der sich dazu entschließt, in der Soka Gakkai mit der aktiven buddhistischen Ausübung zu beginnen, kann einen eigenen Gohonzon erhalten. Die tägliche Ausübung besteht darin, vor dem Gohonzon sitzend Auszüge aus dem Lotos-Sutra zu rezitieren und Nam-Myoho-Renge-Kyo zu chanten. Diese Ausübung bekräftigt die Würde des eigenen und die Würde allen Lebens. Im Gohonzon verehren wir unsere Buddhanatur. Indem wir uns der Buddhanatur bewusst werden, zeigen sich die entsprechenden Eigenschaften wie Weisheit, Mut, Mitgefühl und Lebenskraft auch im eigenen Leben.