BUDDHISTISCHE GRUNDPRINZIPIEN

Bedingtes Enstehen
Alles im Leben ist miteinander verbunden. Oder anders gesagt: Nichts und Niemand ist eine Insel. Das buddhistische Konzept des bedingten Entstehens besagt, dass nichts isoliert und unabhängig vom übrigen Leben existiert. Alles steht in zahllosen Wechselbeziehungen zu der eigenen Umgebung.

Buddha Shakyamuni veranschaulichte das Prinzip des bedingten Entstehens mit einer Metapher: Zwei aneinander lehnende Bündel Schilfrohr stehen nur so lange aufrecht, wie sie sich gegenseitig stützen. Nähme man ein Schilfrohrbündel weg, würde das zweite umfallen. Dies verdeutlicht: Ohne die Existenz des einen kann auch das andere nicht bestehen.

Ein eng miteinander verflochtenes Netz gegenseitiger Verbindungen besteht aber nicht nur in der Natur: Beziehungen gibt es zwischen Mensch und Umwelt, zwischen Einzelpersonen und der Gesellschaft und zwischen Menschen untereinander. Wir bestehen und entstehen also nur aufgrund unserer Wechselbeziehung mit anderen Menschen und Lebewesen. Alles Dasein unterstützt sich gegenseitig, ist miteinander verbunden und bildet einen lebendigen Kosmos. Nach diesem Konzept betrachtet der Mahayana-Buddhismus das gesamte Universum und alles Leben darin.

Wir leben in einer Zeit der Globalisierung mit schier grenzenlosen Möglichkeiten. Viele Menschen sind damit überfordert und meinen, ihr Glück und ihre Sicherheit nur durch einen Rückzug in die Isolation oder in den Nationalismus wahren zu können. Sicherheit durch Isolation zu finden ist jedoch eine Illusion. Denn das Konzept des bedingten Entstehens verdeutlicht, dass es unmöglich ist, in Frieden zu leben, wenn ringsherum Krieg herrscht.

Wenn wir Nam-Myoho-Renge-Kyo zum Gohonzon rezitieren, verbinden wir uns mit dem grundlegenden Rhythmus des Universums. Wir verbinden uns mit der Quelle allen Daseins, die Menschen und Lebewesen nährt – mit der unendlichen Lebenskraft. Und sehr schnell spüren wir: Beim Chanten vor dem Gohonzon lassen sich Gefühle der Einsamkeit, der Trennung, der Isolation und auch der Angst oder des Grolls nur schwer aufrechterhalten. Je länger wir Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren, umso deutlicher nehmen wir wieder unsere ursprüngliche Verbundenheit wahr. Die Verbindung mit anderen Menschen und mit unserer natürlichen Umgebung wird auf diese Weise „wiederbelebt“ oder „geöffnet“. So beginnt das Konzept des bedingten Entstehens in unserem Leben zu wirken. Dank dessen können wir unser Bewusstsein erweitern und unsere Sichtweise des Lebens verändern.

Eine solche Veränderung in unserem Inneren wirkt sich auch auf unser Handeln aus. Wenn beispielsweise klar wird, dass ich mit dem verhassten Arbeitskollegen in Wirklichkeit auf tieferer Ebene verbunden bin, er genau wie ich die Buddhanatur besitzt und wir damit eine wichtige Gemeinsamkeit haben, ändert sich ganz natürlich mein Verhalten ihm gegenüber. Ich werde ihm anders begegnen, ihm anders zuhören und anders mit ihm sprechen. Diese Art von geändertem Verhalten kann zu einem Ausgangspunkt für Frieden in der Welt werden.

Das Konzept des bedingten Entstehens bedeutet ganz praktisch: Es ist unmöglich, unser eigenes Glück auf dem Unglück eines anderen Menschen aufzubauen. Es heißt gleichzeitig, dass wir durch unser mitfühlendes und konstruktives Handeln unsere Umgebung jederzeit positiv beeinflussen können. Das Leben gleicht einem Trampolin mit zwei Springern: Landet die Person auf der einen Seite mit kräftigem Schwung, so wird die Person, die auf der anderen Seite steht, hinaufkatapultiert. Lebt man getreu dieses Prinzips, werden alle Beziehungen – seien sie familiär oder freundschaftlich, beruflich oder privat, gut oder schlecht – zu einem Impuls für das eigene Wachstum. So können wir unsere einzigartige Rolle und Aufgabe im Leben erfüllen. Auf einer tieferen Ebene sind wir nicht nur mit jenen verbunden, die uns räumlich nahe sind, sondern mit allen Lebewesen.

Daisaku Ikeda erläuterte bei einer Reise nach Deutschland: „Ein Sprichwort sagt: ‚Weil du bist, bin ich.‘ Mit anderen Worten: Dank deiner Existenz kann ich mein Leben führen. Und in einem Lied heißt es: ‚Ich weine, wenn du traurig bist, du tanzt in meiner Freude.‘ Wie einfach diese Worte auch sein mögen, sie besitzen eine Parallele zum buddhistischen Prinzip des bedingten Entstehens. Dieses starke Lebensgefühl von reichen Freundschaften und harmonischem Zusammenleben möchten wir in der SGI fördern.“ (vgl. Der Schlüssel zum Glück, eine Publikation des SGI-D e. V.)

Die vier Tugenden
Wenn die Blätter fallen und es Herbst wird, stellen wir mit Bedauern fest, dass der Sommer nun vorüber ist und die kalte, dunkle Jahreszeit beginnt. Der Wechsel der Jahreszeiten macht uns bewusst, wie schnell unser Leben an uns vorbeizieht – ohne dass wir recht wissen, wer wir eigentlich sind. Wir leben in „unsicheren Zeiten“: Klimawandel, Umweltverschmutzung und unberechenbare Machthaber bedrohen Sicherheit und Frieden. Auch auf der persönlichen Ebene läuft es nicht immer harmonisch: Unsere Eltern werden älter und manchmal krank, unser Arbeitsplatz ist unsicher, in der Familie gibt es Streit … Wer sich von der weit verbreiteten Negativität und Hoffnungslosigkeit anstecken lässt, fühlt sich oft ohnmächtig. Gefühle der Vergänglichkeit und das ständige Bedürfnis nach mehr Glück, Geld oder Anerkennung resultieren häufig in einem Gefühl der inneren Leere.

Mit der Ausübung des Buddhismus können wir dieser negativen Grundstimmung etwas Dynamisches und Positives entgegensetzen. Denn Nichiren Daishonin und das Lotos-Sutra lehren, dass wir Gefühle wie Vergänglichkeit, Ohnmacht, Gier und innere Leere verwandeln können in die vier Tugenden des Buddha: Ewigkeit, Wahres Selbst, Reinheit und Glück. So sagt Nichiren Daishonin: „Wenn wir in den vier Phasen von Geburt, Alter, Krankheit und Tod Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren, kehrt dort der Duft der vier Tugenden ein. Nam steht für die Tugend ‚Glück‘, Myoho steht für die Tugend ‚Wahres Selbst‘, Renge für die Tugend ‚Reinheit‘ und Kyo für die Tugend ‚Ewigkeit‘“. (Aufzeichnung der mündlich überlieferten Lehren, Seite 90).

Die Tugend „Glück“ bedeutet hier, echten inneren Frieden und Glück zu erlangen. Durch das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo können wir frei von Angst und Sorgen leben. Weil wir darauf vertrauen, dass wir alle Leiden in Glück verwandeln können, werden wir immer zuversichtlicher und gelassener. So können wir unser höchstes Potenzial entfalten und das Leben mit all seinen Facetten genießen – als ein Mensch mit fröhlichem Herzen.

Die Tugend „Wahres Selbst“ bedeutet, echte Unabhängigkeit zu gewinnen. Unsere buddhistische Ausübung befähigt uns, unser oberflächliches, begrenztes Selbst zu überwinden. Wir offenbaren unser größeres Selbst, das eins ist mit dem Mystischen Gesetz von Nam-Myoho-Renge-Kyo.

Die Tugend „Reinheit“ bezeichnet die Errichtung eines Lebenszustandes echter Integrität. Durch unsere Ausübung als mitfühlende Bodhisattvas lassen wir uns nicht länger von unseren Bedürfnissen bestimmen. Stattdessen können wir unser Leben in der Tiefe reinigen: So wie die Lotos-Blüte nicht vom Morast beschmutzt wird, in dem sie wächst, können auch wir unbeeinflusst bleiben von der Negativität der Gesellschaft. Wir können sogar einen Prozess der Reinigung in unserer Umgebung anstoßen.

Die Tugend „Ewigkeit“ schließlich bedeutet, durch das Chanten einen Lebenszustand zu festigen, mit dem wir das Leben vom Standpunkt der Ewigkeit aus betrachten können. Wir werden befähigt, die Zusammenhänge des Lebens in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erkennen. So wird es möglich, eine Lösung für alle Schwierigkeiten zu finden, die uns begegnen. Unser Leben fließt über vor Lebenskraft und jugendlicher Dynamik. SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert, was das konkret bedeutet:

„Indem Sie für das eigene und das Glück anderer Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren und verbreiten, festigen die Ausübenden in ihrem Inneren den edlen Zustand der Buddhaschaft. Dieser Zustand ist erfüllt von den vier Tugenden Ewigkeit, Glück, Wahres Selbst und Reinheit. Das Leben ist vergänglich und zuweilen überschattet von den Leiden aus Geburt, Alter, Krankheit und Tod. Doch durch das Rezitieren von Nam-Myoho-Renge-Kyo wird ein in diesen Leiden gefangenes Leben umgewandelt in ein Leben voller Wert und großartiger innerer Würde, das den Duft der vier Tugenden Ewigkeit, Glück, Wahrem Selbst und Reinheit verströmt.“ (Das Prinzip Hoffnung, Band 2, Seite 172 ff.)

Die Einheit von Körper und Geist
Wo „wohnt“ eigentlich menschliches Leben? Jeder weiß, wo sein Herz oder sein Gehirn sind, aber auf die Frage, wo genau sich die Essenz des Lebens befindet, müssen wir innehalten und nachdenken. Der menschliche Organismus birgt eine erstaunliche Vielzahl von Wundern. Teilweise sind sie sogar messbar: Die Gesamtlänge der Blutbahnen eines Erwachsenen beträgt zum Beispiel 96.000 Kilometer – das ist mehr als der doppelte Erdumfang. Bei jedem Atemzug aktivieren wir 300 Millionen Lungenzellen. Der wunderbarste Aspekt all dieser großartigen Leistungen ist jedoch die Harmonie, in der die vielen Zellen und Organe zusammenwirken, um ein lebendes Wesen mit einem eigenen, kreativen Geist zu schaffen.

Dass Körper und Geist eine Einheit bilden, gehört zum Allgemeinwissen. Die buddhistische Philosophie blickt noch tiefer und betrachtet Körper und Geist als zwei unterschiedliche Ausprägungen derselben grundlegenden Lebenskraft. Diese ursprüngliche Lebenskraft bringt nicht nur den Körper hervor und bewirkt die Harmonisierung seiner zahllosen Einzelfunktionen. Sie zeigt sich auch in unseren Gedanken und Gefühlen.

Shiki shin funi – so lautet der japanische Begriff, der das Prinzip der Untrennbarkeit von Körper und Geist ausdrückt. Shiki bezieht sich auf alle Dinge und sichtbaren Phänomene, einschließlich des menschlichen Körpers. Shin bezeichnet alle geistigen, also nicht direkt wahrnehmbaren Phänomene – Verstand, Gefühle und Willen eingeschlossen. Funi bedeutet wörtlich „zwei und doch nicht zwei“. Nichiren Daishonin beschreibt die untrennbare Einheit von Funi folgendermaßen: „Das Geistige und das Physische, die in ihrem Wesen eins sind, manifestieren sich als zwei unterscheidbare Aspekte.“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, Seite 106)

Die körperlichen und geistigen Aspekte unseres Lebens sind untrennbar verbunden, weil beide Ausdrucksformen derselben Lebenskraft sind: Sie sind Ausdruck des Mystischen Lebensgesetzes von Myoho-Renge-Kyo. „Das Leben eines jeden Moments umfasst Körper und Geist (…) und selbst die kleinsten Staubpartikel. Das Leben durchdringt das gesamte Reich der Phänomene und offenbart sich in allen Phänomenen.“, so formuliert es Nichiren. (Die Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, Seite 3)

Wenn wir uns freuen, leuchten unsere Augen und unser Gang ist leicht und beschwingt; eine gebeugte Haltung verrät, dass jemand niedergeschlagen ist. Krankheiten wie Allergien und Asthma werden häufig von negativem Stress verursacht. Depressionen können die Widerstandskräfte des Körpers schwächen und uns anfälliger für Krankheiten machen. Umgekehrt funktioniert es genauso: Eine positive Energie und innere Haltung kann unsere Organe und Zellen dazu animieren, wieder zu gesunden.

Wenn wir krank sind, ist es selbstverständlich wichtig, medizinische Hilfe zu suchen und achtsam mit unserem Körper umzugehen. Gleichzeitig können wir unseren Gesundungsprozess mit der buddhistischen Praxis fördern und beschleunigen: Durch das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo aktivieren wir in der Tiefe unseres Lebens die große Lebenskraft des Universums. Sie durchdringt unseren Körper und Geist und harmonisiert alle körperlichen und geistigen Aspekte. Wenn unsere Lebenskraft schwach ist, werden die Zellen den Kampf gegen die Krankheitserreger möglicherweise aufgeben. Dank der starken Lebenskraft, die das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo in uns freisetzt, kann sich jede Faser unseres Seins auf das Ziel hin ausrichten, zu gesunden.

SGI-Präsident Daisaku Ikeda vermittelt uns ein noch tieferes Verständnis von Gesundheit. Er schreibt: „Körperlich und geistig gesund zu sein, heißt kraftvoll zu leben und sich mit ganzem Herzen der Erfüllung seiner Aufgabe in dieser Existenz zu widmen. Es bedeutet, dass wir – so lange wir leben und selbst wenn uns eine Krankheit übermannen sollte – weiter Daimoku [Nam-Myoho-Renge-Kyo] chanten und anderen vom Mystischen Gesetz erzählen. Es bedeutet, mit ganzer Kraft durch alle Ewigkeit für unsere Aufgabe zu leben. Einen solchen Glauben zu haben bedeutet, wie im Lotos-Sutra geschrieben steht, einen Lebenszustand ‚frei von Alter und Tod‘ zu besitzen.“ (Dialoge über das Lotos-Sutra, Band 6, Seite 9).

Die vier Kräfte
Eine Glocke kann Töne erklingen lassen, eine Trommel einen Rhythmus. Aber die Töne erklingen nur, wenn die Instrumente angeschlagen werden. Und die Person, die sie anschlägt, kann bestimmen, in welcher Lautstärke und in welchem Rhythmus der Klang ertönen soll. Dieses Prinzip lässt sich auch auf das Gebet und die buddhistische Ausübung übertragen. Die Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo und die Kraft des Buddha sind immer vorhanden. Doch erst durch die Kraft unseres Glaubens und die Kraft unserer Ausübung können wir sie aktivieren. Das ist das Prinzip der vier Kräfte.

Die Kraft des Gesetzes entspricht der grenzenlosen Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo, dem Mystischen Gesetz des Universums. Alle Menschen können durch diese Kraft selbst die Buddhaschaft in ihrem Leben hervorbringen. Die Kraft des Buddha zeigt sich in den Tugenden Weisheit, Mut und Mitgefühl. Es ist die Kraft, mit welcher der Buddha den Schwur leistete, allen Menschen den Weg zu ihrer Buddhaschaft zu öffnen.

Die Kraft des Gesetzes und die Kraft des Buddha: Diese beiden Kräfte stellte Nichiren Daishonin im Gohonzon dar. Im Zentrum des Gohonzon steht Nam-Myoho-Renge-Kyo und darunter „Nichiren“. Daher verkörpert der Gohonzon das Prinzip des Buddhas, der eins ist mit dem Mystischen Gesetz. Mit der Einschreibung des Gohonzon eröffnete Nichiren allen Menschen die Möglichkeit, sich direkt mit dem Buddha und dem Gesetz zu verbinden. Auf diese Weise können ausnahmslos alle Menschen die grenzenlose Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo und die Tugenden Weisheit, Mut und Mitgefühl ganz konkret im eigenen Leben erfahren.

Wir müssen die Kräfte von Buddha und Gesetz also nicht irgendwo suchen, sie sind bereits im Gohonzon verkörpert. Aber wie können wir unser Leben damit verbinden? Der Schlüssel ist die Kraft unseres Glaubens und unserer Ausübung. Das erläutert Nichiren Daishonin folgendermaßen: „Wenn wir Myoho-Renge-Kyo, das unserem Leben innewohnt, als Objekt der Widmung hochhalten, werden wir die Buddhanatur in uns hervorrufen und manifestieren, indem wir Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren. Das ist mit ‚Buddha‘ gemeint. (…) Wenn wir mit unserem Mund das Mystische Gesetz rezitieren, wird unsere Buddhanatur, so herbeigerufen, unweigerlich erscheinen.“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, S. 1097)

Nichiren Daishonin betont also, dass wir selbst es sind, die die Buddhaschaft hervorrufen. Wir erhalten die Kraft der Buddhaschaft nicht etwa von außen, sondern rufen sie durch die Kraft des Glaubens und die Kraft der Ausübung aus unserem Inneren hervor. Die Kraft des Glaubens ist das Vertrauen, dass die große Lebenskraft des Buddha auch in unserem Leben existiert – und dass alle Menschen gleichermaßen mit dem Potenzial des Buddhas der grenzenlosen Freude ausgestattet sind. Die Kraft der Ausübung ist das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo für unser eigenes Glück und das Glück unserer Mitmenschen. Außerdem beinhaltet die Ausübung die Tat, auch anderen Menschen den Weg zum Glück zu zeigen.

Im Alltag ist es jedoch gar nicht so leicht, diese Lebenseinstellung beizubehalten. Deshalb erklärt Nichiren Daishonin, dass wir dazu einen „klaren Spiegel“ benötigen. Dieser klare Spiegel ist der Gohonzon. Der Gohonzon erinnert uns immer wieder daran, dass die Kraft des Buddha und die Kraft des Gesetzes in unserem eigenen Leben existieren. Deshalb dürfen wir den Gohonzon nicht außerhalb von uns suchen.

In dem Maße, wie wir selbst die Kräfte des Glaubens und der Ausübung aufbringen, können wir die Kräfte des Gesetzes und des Buddha erleben. SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert dazu: „Indem wir zum Gohonzon beten, werden wir im gegenwärtigen Augenblick eins mit dem ewigen und universellen Leben. Wir öffnen einen Lebenszustand, mit dem wir von dort, wo wir gerade sind, das ganze Universum erfassen können. Durch unsere tägliche Ausübung des Gongyo und des Chantens von Daimoku können wir den Schatzturm in uns selbst, in unseren täglichen Handlungen und unserem Leben erstrahlen lassen. Das ist das Wunder des Gohonzon. Ein prachtvoller ‚Kosmos‘ des Lebens eröffnet sich in uns und die Realität erweist sich als eine Welt der Schaffung von Werten.“ (Die Welt der Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, Seite 282).

Gift in Medizin verwandeln
Was ist Hoffnung? Per Definition ist es die Zuversicht, dass sich eine Situation zum Guten wenden wird. Der Optimismus, den wir als Ausübende des Nichiren-Buddhismus erleben, hat eine andere Qualität: Es ist die Zuversicht, dass wir selbst eine Situation ganz gewiss zum Guten verändern können.

Wenn wir mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, leiden wir. Aber weil wir den Gohonzon haben, können wir mit unserem starken Glauben nicht nur jedes Leiden überwinden. Wir können unsere Probleme sogar in Wohltaten verwandeln. Dieses Prinzip bezeichnet der Buddhismus als Gift in Medizin verwandeln.

Nagarjuna, ein Gelehrter des Mahayana-Buddhismus, der im 2. Jahrhundert in China lebte, verwendete den Begriff erstmalig in seinem Werk Daishido Ron. Darin verglich er das Lotos-Sutra mit einem großartigen Arzt, der Gift in Medizin verwandeln kann. Denn wie das Sutra lehrt, können nicht nur Buddhas, sondern auch gewöhnliche Menschen die Buddhaschaft verwirklichen. Nichiren erläutert dies wie folgt: „Was ist Gift? Es sind die drei Pfade von irdischen Begierden, Karma und Leiden, die unser Schicksal sind. Was ist Medizin? Es sind die drei Eigenschaften des Buddhas von Gesetz, Weisheit und Befreiung. Und was bedeutet es, Gift in Medizin zu verwandeln? Das geschieht, wenn wir die drei Pfade zu den drei Eigenschaften des Buddha machen.“ (aus dem Englischen übersetzt; The Writings of Nichiren Daishonin, Band 2, Seite 743).

Mit den von Nichiren erwähnten drei Pfaden – Irdische Begierden, Karma und Leiden – beschreibt die buddhistische Philosophie den Zustand normaler Alltagsmenschen: Weil wir unsere Buddhanatur nicht sehen können, leben wir in tiefer Illusion über unser Leben. Folglich meinen wir, erst dann glücklich sein zu können, wenn unsere Wünsche, die irdischen Begierden, sich erfüllen. So setzen wir Ursachen, mit denen wir diese Tendenz – unser negatives Karma – letztlich nur verstärken. Das aber verursacht nur noch mehr Leiden. So verstricken wir uns schließlich in dem Teufelskreis eines Lebens, das nicht zu der eigenen, innewohnenden Buddhanatur erwacht ist und in dem das „Gift“ seine volle Wirkung entfaltet.

Demgegenüber ist das Leben des Buddha von den drei Eigenschaften von Gesetz, Weisheit und Befreiung geprägt. Die Eigenschaft des Gesetzes entspricht der tiefsten Wesenheit des Lebens, der Quelle der Lebenskraft. Weisheit ist die Fähigkeit, diese Lebenskraft zu erkennen. Und Befreiung bedeutet, sich durch Gesetz und Weisheit von den Leiden von Geburt und Tod frei machen zu können.

„Gift“ hört sich vielleicht sehr negativ an, aber im Nichiren-Buddhismus hat es eine wichtige, gar notwendige Funktion. Die beste Medizin wird aus giftigen Substanzen hergestellt. Genauso können unsere Wünsche letztlich zu der Quelle unserer Buddhaschaft werden. Denn weil wir Wünsche haben, chanten wir aufrichtig zum Gohonzon, um sie zu verwirklichen. Das Chanten, das sich eigentlich auf die Verwirklichung unserer Wünsche richtet, hat den „Nebeneffekt“, dass die Buddhanatur unseres Lebens aktiviert wird. So erscheinen die drei Eigenschaften des Buddha von Gesetz, Weisheit und Befreiung. Und mit ihnen entfalten wir die Eigenschaften Kraft, Mut und Weisheit. So gestärkt können wir unsere Probleme konfrontieren und Fehler in Wachstum, Streit in Harmonie, Misstrauen in Vertrauen, Leiden in Freude und dauerhaftes Glück zu verwandeln. Auf diese Weise entsteht in unserem Leben ein Wert, der weit über unseren ursprünglichen Wunsch hinausgeht – und den es ohne unseren Wunsch oder das Ausgangs-Problem nicht gegeben hätte. Was ermöglicht uns, die drei Pfade in die drei Eigenschaften des Buddha zu verwandeln? Es ist die Ausübung des Chantens von Nam-Myoho-Renge-Kyo zum Gohonzon. Das Vertrauen in die Kraft unserer Buddhaschaft erlaubt uns, ohne Angst im Leben voranzugehen. SGI-Präsident Daisaku Ikeda ermutigt uns: „Wenn Sie einen Fehlschlag erleiden, verwandeln Sie bitte Gift in Medizin und entschließen sich noch einmal aufs Neue, für Ihr Ziel zu kämpfen. Das ist im wahrsten Sinne die Schaffung von Werten.“

Ursache und Wirkung
Unsere individuelle Persönlichkeit, unser Charakter und besonders auch die Umstände, in die wir geboren werden, bestimmen unser Leben und sind entscheidend für unser Glück oder Unglück. Das ist die allgemeine Auffassung – doch ist es wirklich so?

In der buddhistischen Weltsicht sind jegliche Gedanken, Worte und körperliche Handlungen Ursachen, die Wirkungen hervorrufen. So haben wir nicht nur durch Ursachen in der Vergangenheit unser jetziges Schicksal selbst geschaffen. Wir können auch durch neu gesetzte Ursachen unsere Zukunft frei gestalten. Im buddhistischen Menschenbild ist das Konzept von Ursache und Wirkung deshalb von zentraler Bedeutung.

Im alten Indien glaubte man, dass die Umstände der Wiedergeburt durch die guten und bösen Taten eines Menschen bestimmt würden – durch das sogenannte Karma (Sanskrit für „Tat“ oder „Handlung“). Nach diesem Verständnis von Ursache und Wirkung gibt es für jede gute Ursache eine Art „Belohnung“, für jede schlechte Ursache eine Vergeltung. Der Nichiren-Buddhismus bezeichnet dieses Konzept als allgemeine Kausalität. Stellen wir uns einmal vor, wir müssten für jede böse Tat aus der Vergangenheit eine entsprechende Wirkung erfahren. Dann bräuchten wir unendlich viel Zeit, vielleicht sogar mehrere Existenzen, um in den „Plus-Bereich“ eines glücklichen Lebens zu gelangen. Solange wir in dieser Sichtweise feststecken, werden uns notgedrungen Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht quälen.

Nichiren jedoch war zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch hier und jetzt ein glückliches Leben führen kann. Er errichtete eine Lehre, mit der wir unser „festgelegtes“ Karma oder Schicksal durchbrechen und unser Leben in eine positive Richtung entwickeln können. Wie er darlegte, liegt die grundlegende Ursache für unser Leiden in unserer eigenen Unfähigkeit, an die Existenz der Buddhanatur in uns selbst und anderen zu glauben. Diesen Zweifel bzw. Unglauben zu beseitigen und die Welt der Buddhaschaft hervorzubringen, stellt eine tiefergehende Kausalität [Ursache-Wirkungs-Prinzip] dar. Diese „größere Kausalität“, befähigt uns, unser Karma grundlegend zu verändern.

Wenn wir Nam-Myoho-Renge-Kyo vor dem Gohonzon rezitieren, zeigen wir den Zustand der Buddhaschaft und reinigen unser „negatives“ Karma. Dabei gleicht das Hervortreten oder Öffnen der Welt der Buddhaschaft einem Sonnenaufgang. Wenn die Sonne im Osten aufgeht, verblassen die Sterne bis zur Bedeutungslosigkeit, obwohl sie am Nachthimmel noch so lebhaft gefunkelt haben. Die Sterne symbolisieren die von uns gesetzten Ursachen aus der Vergangenheit. Auch wenn sie immer da sind: Sobald die Sonne der Buddhaschaft aufgeht, verlieren sie ihre Leuchtkraft. Der Einfluss der schlechten Ursachen aus der Vergangenheit verblasst und wir leiden nicht länger unter den negativen Wirkungen unseres Karmas.

SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert dazu: „Das Prinzip der ‚größeren Kausalität‘ befreit die Menschen vom Karma oder Schicksal. Der Buddhismus erklärt das Karma, um zu zeigen, wie man es umgestalten kann. Außerdem beschränken wir den Blick nicht auf unser persönliches Karma. Wenn wir erst einmal die Ketten unseres eigenen Karmas abgeschüttelt haben, machen wir uns an die Befreiung der anderen, die ebenfalls an ihrem Karma leiden. Und letztendlich wenden wir uns der Aufgabe zu, das Karma der ganzen Menschheit zu verändern. Das ist der Weg zur Verwirklichung der Buddhaschaft für sich und andere.“ (Die Welt der Schriften Nichiren Daishonins, Band 2, Seite 41 ff.)

Offenbaren der ursprünglichen Identität
Manchmal können uns Schwierigkeiten so an unsere Grenzen bringen, dass wir förmlich daran zerbrechen. Selbst Nichiren machte diese Erfahrung: Wegen seiner humanistischen Überzeugungen wurde er verfolgt und beinahe getötet. Wie geht ein Buddha mit solch existenziellen Krisen um? Was können wir daraus lernen? Diese Fragen beantwortet das buddhistische Prinzip vom Ablegen der vorläufigen und vom Offenbaren der ursprünglichen Identität.

Weil er die Machthaber gegen sich aufgebracht hatte, wurde Nichiren schließlich von einem Trupp Soldaten festgenommen, die ihn zu seinem geplanten Hinrichtungsort führten. Er selbst blieb vollkommen gelassen. Abgesehen davon, dass sein Lebenszustand sogar seine Feinde beeindruckte und letztlich wohl zu seiner Begnadigung führte, versetzte ihn der drohende Tod erstaunlicherweise nicht in Angst oder Panik. Mit folgenden Worten beschreibt er, wie er die Situation wahrnahm: „Am zwölften Tag des neunten Monats (…) wurde diese Person namens Nichiren enthauptet. Seine Seele gelangte auf diese Insel Sado und nun (…) schreibt sie dies für seine nahestehenden Schüler.“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, Seite 340)

In dem Augenblick, als der Henker Nichiren enthaupten wollte, zeigte sich ein gleißender Komet am Nachthimmel. Erschreckt ließen die Soldaten von ihm ab. So wurde Nichiren in Wirklichkeit gar nicht hingerichtet. Doch empfand er den Augenblick, in dem er dem Tod ins Auge blickte, anscheinend so, als ob sein „altes“ Selbst gestorben wäre. Erst ab diesem Zeitpunkt begann er, Gohonzons einzuschreiben und seine wichtigsten Schriften zu verfassen. Die größte Krise seines Lebens führte also dazu, dass Nichiren seine Lebensaufgabe erfüllen konnte. Er wurde kein anderer Mensch, doch er offenbarte ein neues, größeres Selbst: seine Buddhanatur. Dieses wahre Selbst ist es, das er im übertragenen Sinne als „Seele“ bezeichnet.

Das bedeutet: Gerade wenn wir das Gefühl haben, in einer Sackgasse zu stecken, kann der gefühlte „Tod“ unseres kleinen, oberflächlichen Selbst der Weg zur Öffnung unserer Buddhaschaft sein. Eine solche Entwicklung der Persönlichkeit bezeichnet der Buddhismus als Ablegen der vorläufigen und Offenbaren der ursprünglichen Identität. Der Begriff vorläufige Identität wurde zunächst für denjenigen Shakyamuni verwendet, der die Erleuchtung erstmals in diesem Leben erlangt hatte. Erst das Lotos-Sutra offenbarte Shakyamunis ursprüngliche Identität: Er hatte bereits vor unvorstellbar langer Zeit die Erleuchtung erlangt – und verdeutlichte damit, dass die Buddhaschaft nicht eine erworbene Fähigkeit, sondern eine dem Wesen eigene Identität ist. Nichiren erinnerte sich angesichts der drohenden Hinrichtung an seine überaus wichtige Aufgabe für die Menschheit. So öffnete er seine Buddhaschaft und konnte gelassen bleiben und sogar Freude empfinden.

Wenn auch wir uns unserer Identität und Aufgabe als Bodhisattvas aus der Erde bewusstwerden, gibt es keine Mauer, die wir nicht durchbrechen können. Wir, die Bodhisattvas, wünschen uns von ganzem Herzen das Glück anderer Menschen und zeigen ihnen deshalb den Weg zu ihrer eigenen Buddhanatur. Dieser Wunsch und diese Tat bringen die unendliche Kraft des Buddha aus unserem Leben hervor. Menschen mit einem Aufgabenbewusstsein sind stark. Dadurch können sie allen Schwierigkeiten gelassen und angstfrei entgegentreten. Sie können ihre Probleme überwinden und dadurch eine tiefgründige Entwicklung als Mensch machen.

SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert das Offenbaren der ursprünglichen Identität so: „Wie kann man solch einen starken Lebenszustand entwickeln? Ich glaube, dass dies der Kraft eines Schwurs zu verdanken ist. Wenn wir unser Leben der Erfüllung eines großen Versprechens [für Kosen-rufu] widmen, entwickelt sich unser Lebenszustand grenzenlos. Solch ein Versprechen hilft uns, die Dunkelheit zu vertreiben und in Übereinstimmung mit der wesentlichen Natur der Phänomene zu leben. Das Herz eines Menschen, der zu diesem ursprünglichen Schwur erwacht ist, kennt keine Hindernisse. Der Körper mag verletzlich sein, doch der Geist ist absolut unzerstörbar. Eine solche Kraft entwickelt jemand, der ein Leben des Mitgefühls führt.“ (Die Welt der Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, Seite 218)

Wie handelt ein Bodhisattva?
Im Mahayana-Buddhismus verkörpert der Bodhisattva einen Menschen, der selbst den Weg zur Erleuchtung sucht und sich gleichzeitig darum bemüht, auch möglichst vielen anderen Menschen zur Erleuchtung zu verhelfen. Das Markenzeichen eines Bodhisattvas ist also sein Mitgefühl: die einfühlsame Anteilnahme am Leiden anderer.

In der westlichen Welt verwechseln wir das mitfühlende Handeln eines Bodhisattvas leicht mit Aufopferung oder einem Helfersyndrom. Die Haltung des Bodhisattvas ist jedoch eine völlig andere. Er verschenkt seine Lebenskraft nicht an andere, um sich darin zu erschöpfen und selbst kraftlos zurück zu bleiben. Vielmehr schöpft er Energie aus der Verbundenheit mit allen Lebewesen und der Verbindung mit der grundlegenden Kraft des Universums, dem Lebensgesetz von Nam-Myoho-Renge-Kyo. SGI-Präsident Daisaku Ikeda beschreibt das so: „Wenn wir uns um andere kümmern, das heißt wenn wir anderen helfen, Lebenskraft hervorzuholen, vermehrt sich unsere eigene Lebenskraft. Wenn wir Menschen helfen, ihren Lebenszustand zu erweitern, erweitert sich auch unser Leben. Das ist das Wunder beim Weg des Bodhisattvas.“ (Dialoge über das Lotos-Sutra, Band 4, Seite 150 ff.)

Handlungen zum Wohle anderer und Handlungen zum eigenen Wohle sind demnach untrennbar miteinander verbunden. Eine bekannte buddhistische Parabel verdeutlicht dies: Ein Besucher der Hölle sieht, wie die Bewohner dort leiden. Obwohl alle ein reiches Mahl vor sich haben, können sie nichts essen. Denn ihre Essstäbchen sind länger als ihre Arme – und so ist es ihnen unmöglich, sich das Essen selbst in den Mund zu stecken. Nun besucht die Person das Buddhaland. Auch dort sind die Essstäbchen länger als die Arme der Menschen, aber alle sind zufrieden. Der Grund: Die Menschen füttern sich gegenseitig mit den überlangen Essstäbchen und alle werden satt.

Dieses Beispiel zeigt, dass es unmöglich ist, isoliert und alleine in dieser Welt zu überleben. Aus buddhistischer Sicht wird ein rein ichbezogener Mensch letztlich nicht glücklich werden. „Mir scheint, dass es die menschlichen Verbindungen sind – der Wunsch, für andere zu leben – der einem in schwierigen Zeiten die Kraft zum Weitermachen gibt. So lange man sich in seinen Egoismus vergräbt, gibt es kein Glück. Erst wenn wir ausbrechen und für andere handeln, quillt unser Leben vor Vitalität über. Kosen-rufu ist ein Kampf, die Grundströmung der Gesellschaft von ichbezogen zu altruistisch, von egoistisch zu mitfühlend zu verändern“, so drückt es Daisaku Ikeda aus.

Im Nichiren-Buddhismus, auf dessen Lehre die Soka Gakkai basiert, umfasst die Bodhisattva-Ausübung zwei sich gegenseitig verstärkende Aspekte: die Ausübung für sich und die Ausübung für das Glück anderer. Die Ausübung für sich beinhaltet das Rezitieren zentraler Textpassagen des Lotos-Sutra und das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo. Das Ziel dieser Ausübung besteht darin, das eigene Leben von innen her zu revolutionieren, um die Eigenschaften des Buddha zu entfalten: Mut, Weisheit, Mitgefühl und Lebenskraft. Der zweite Aspekt, die Ausübung für das Glück anderer, besteht in der Weitergabe der Lehre.

Viele Menschen beginnen mit der buddhistischen Ausübung, weil sie sich nach Glück sehnen oder ein quälendes Problem überwinden möchten. Sobald sich ihr Lebenszustand weitet, beginnen sie sich auch für das Glück der Menschen in ihrer Umgebung zu interessieren. Weil sie ihre Verbundenheit mit allen Lebewesen spüren, handeln sie auf ganz natürliche Weise mitfühlend und teilen die tiefen Einsichten des Buddhismus mit anderen Menschen. Damit befähigen sie ihr Gegenüber, gleichermaßen aus den reichen inneren Quellen ihres Lebens zu schöpfen. Ausübung für andere heißt also, anderen Menschen den Buddhismus weiter zu geben – im tiefen Vertrauen darauf, ihnen damit den Schlüssel für ein glückliches Leben zu schenken.