Menschliche Revolution

Wie kann man die buddhistische Philosophie in wenigen Worten klar und deutlich beschreiben?

Es ist eine Religion der Menschlichen Revolution. Es ist eine Philosophie und Ausübung, durch die der Mensch seinen eigenen Lebenszustand grenzenlos öffnen und einen Lebenszustand wie der Buddha selbst erreichen kann. Die Probleme, vor denen die menschliche Gesellschaft heute steht, lassen sich nicht lediglich durch äußere Veränderungen wie politische oder wirtschaftliche Reformen lösen. Veränderung muss bei den Menschen selbst beginnen.

Der Gedanke der „menschlichen Revolution“ ist keine Erfindung der Soka Gakkai. Bereits im Devadatta-Kapitel des Lotos-Sutra wird erklärt, dass selbst der zutiefst bösartige Devadatta, der den Buddha bekämpfte, die Buddhaschaft erlangen wird. Außerdem enthält es auch die Geschichte von der Tochter des Drachenkönigs, die – obwohl sie weiblich war und als Drache die Gestalt eines Tieres hatte – die Buddhaschaft verwirklichte, und zwar ohne ihre Gestalt zu verändern. Ein für die damalige Zeit revolutionärer Gedanke, denn alle anderen Lehren besagten, dass man zunächst als Mann und quasi Heiliger wiedergeboren werden muss, um die Buddhaschaft erlangen zu können. Wegen dieser besonderen Aussage schrieb Nichiren auch über den fünften Band des Lotos-Sutra, der das Devadatta-Kapitel enthält:

„Der fünfte Band zeigt etwas, das das Herz und der Kern des gesamten Sutras ist: Die Lehre von der Verwirklichung der Buddhaschaft in der jetzigen Gestalt.“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, S. 1147)

Gemäß diesem Prinzip kann ausnahmslos jeder Mensch in seiner Gestalt als gewöhnlicher Sterblicher den Zustand des Buddhas verwirklichen. Damit ist ein Mensch gemeint, der zum Lebenszustand des Mitgefühls und Altruismus erwacht ist und im Alltag als Bodhisattva handelt. Gemeint ist nicht ein Heiliger sondern ein Mensch, der jede Person, die vor ihm steht, auch als Buddha wertschätzen kann. Authentisch zu bleiben und gleichwohl den eigenen Charakter, das eigene Karma, auf diese Weise zu entwickeln, ist eine „menschliche Revolution“. So ist das Prinzip der Menschlichen Revolution ein moderner Begriff für die Verwirklichung der Buddhaschaft in diesem Leben in der jetzigen Gestalt.

Im Alltag und besonders wenn wir kleinen oder großen Herausforderungen gegenüber stehen, behindern uns oft unsere tiefliegenden Tendenzen von Unsicherheit, Apathie, Abhängigkeit, Feigheit Faulheit, Arroganz oder Egoismus. Indem wir ihnen immer wieder nachgeben, begeben wir uns in einen Kreislauf, der uns letztlich unglücklich macht. Unsere Schwächen zu besiegen erfordert Kraft und Weisheit. Durch das Rezitieren von Nam-Myoho-Renge-Kyo zum Gohonzon bringen wir – so wie wir sind – unsere Buddhaschaft hervor. Sie öffnet die uns innewohnende Kraft und Weisheit, so dass wir eine Situation anders betrachten, uns anders verhalten und unsere Tendenzen verwandeln können. Es geht darum, dass wir uns auf der Grundlage unseres Gebetes selbst erziehen, uns weiterentwickeln und verändern, um uns stärker, besser und weiser zu machen.

Der Buddhismus ist also eine Religion, die uns ermöglicht, unsere Schwierigkeiten zum Anlass für unsere menschliche Revolution zu machen und dadurch glücklich zu werden. In diesem Sinne sagt SGI-Präsident Daisaku Ikeda:

„All unser gegenwärtiges Leiden ist Teil unserer buddhistischen Ausübung, um unsere menschliche Revolution zu verwirklichen. Wir können nicht mehr sein als Menschen und wir müssen auch nicht mehr sein. Vielmehr existieren unser buddhistischer Glaube und unsere Ausübung, um uns als Menschen wachsen zu lassen und durch unsere Leiden und Kämpfe zu ausgezeichneten Menschen zu werden. Das ist die Bedeutung der menschlichen Revolution. (…) Die große menschliche Revolution bereits eines einzelnen Menschen wird dazu beitragen, das Schicksal eines Landes zu verändern und darüber hinaus den Wandel des Schicksals der gesamten Menschheit ermöglichen.“ (SGI-Newsletter Nr. 9691)