Einheit von Selbst und Umgebung

Wir neigen dazu, die Welt in zwei Bereiche aufzuteilen: Alles von unserer Haut nach innen gesehen sind wir selbst, alles von der Haut nach außen Verlaufende gehört nicht mehr zu uns und ist die Umgebung. Zwar zeigen die Wissenschaften der Physik, Medizin, Psychologie und Soziologie zunehmend auf, dass beide Bereiche in komplexer Weise aufeinander einwirken: Die Luftqualität beeinflusst unsere körperliche Gesundheit, die Farbe eines Zimmers unser psychisches Wohlbefinden und unser eigenes Verhalten die Laune anderer Menschen. Und dennoch bleibt es dabei, dass wir unser eigenes Leben und die Umgebung als zwei getrennt voneinander bestehende Phänomene empfinden.

In der buddhistischen Terminologie wird das Selbst als „Shoho“ bezeichnet und die Umgebung als „Eho“. Und es wird erläutert, dass sie sich nicht nur gegenseitig beeinflussen, sondern dass es eine Dimension gibt, in der sie nicht zwei, sondern eins sind (jap.: Esho Funi).
So schrieb Nichiren Daishonin: „Die Zehn Richtungen sind die ‚Umgebung‘ und die Lebewesen sind ‚Leben‘. Anschaulich gesprochen ist die Umgebung wie der Schatten und Leben wie der Körper. Ohne den Körper gibt es keinen Schatten und ohne Leben keine Umgebung. In gleicher Weise wird das Leben von seiner Umgebung geformt“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, S. 798). Und an anderer Stelle seiner Schriften heißt es: „Das bedeutet, dass alle Lebewesen und ihre Umgebungen … ausnahmslos Manifestationen von Myoho-Renge-Kyo sind“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, S. 479).

Wir selbst wie auch alle anderen Lebewesen und Dinge um uns herum sind Manifestationen von Nam-Myoho-Renge-Kyo, der Buddhanatur des Lebens. Wir sind eins. Solange uns dies nicht bewusst ist und solange wir unsere tiefe Verbindung mit der Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo nicht spüren, erleben wir Trennung. „Du bist schuld an meinem Unglück!“ oder „Mein Chef schikaniert mich“ oder „Weil die Welt schlecht ist, geht es mir auch schlecht!“ sind typische Empfindungen, die wir dann verspüren.

Doch genauso wie es keinen Körper ohne Schatten gibt, gäbe es ohne Lebewesen auch keine Umgebung. Weil das individuelle Leben und seine Umgebung eins sind, sind wir selbst es, die darüber entscheiden, in welcher Umgebung wir leben möchten. Es ist unser Körper, der den Schatten bewegt. Und die größte Strahlkraft erreicht unser Leben, wenn es aus der Quelle der Buddhaschaft gespeist wird.

Hierin liegt der Schlüssel dafür, dass man die Welt tatsächlich zum Guten verändern kann. Ungeheure Anstrengungen werden unternommen, um Krieg, Armut oder Umweltverschmutzung zu beenden, doch wir erleben, dass sich die Lage der Welt nicht verbessert. Vom buddhistischen Standpunkt aus ist das damit zu erklären, dass der grundlegende Lebenszustand der Menschen unerleuchtet bleibt. Solange Menschen fortfahren, aus Ärger, Gier oder Ignoranz heraus zu handeln, solange werden diese Zustände sich auch in der Umgebung manifestieren. Je mehr Menschen ihre Buddhaschaft, die tiefe Verbindung zur wahren Natur des Lebens, hervorbringen, desto mehr wird sich damit – gleich dem Schatten – auch die Umgebung verändern.

SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert das Prinzip der Einheit von Selbst und Umgebung wie folgt: „Alle Dinge im Universum, bis hin zum kleinsten Staubpartikel, sind in unserem Herzen enthalten. Und unser Herz durchdringt die entferntesten Ausdehnungen des Universums. Dieses Prinzip lehrt, dass unser Herz die gesamte uns umgebende Welt erschafft. Es ist das grundlegende Prinzip, dass sich die Welt verändert, wenn wir uns verändern. Es kommt allein auf uns an. Wir können nicht die anderen verantwortlich machen. Das Mystische Gesetz ist ewig. Es ist der Ursprung aller Dinge. Wenn wir erkennen, dass unser Leben eins ist mit dem Mystischen Gesetz, erfahren wir die Ewigkeit des Lebens und grenzenlose Energie strömt hervor. Als Folge davon können wir aus jeder Sackgasse wieder herausfinden. Das ist der Zweck des Glaubens“ (Die Welt der Schriften Nichiren Daishonins, Bd. 1, S. 115–116).