Die vier Kräfte

Eine Glocke kann Töne erklingen lassen, eine Trommel einen Rhythmus. Aber die Töne erklingen nur, wenn die Instrumente angeschlagen werden. Und die Person, die sie anschlägt, kann bestimmen, in welcher Lautstärke und in welchem Rhythmus der Klang ertönen soll. Dieses Prinzip lässt sich auch auf das Gebet und die buddhistische Ausübung übertragen. Die Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo und die Kraft des Buddha sind immer vorhanden. Doch erst durch die Kraft unseres Glaubens und die Kraft unserer Ausübung können wir sie aktivieren. Das ist das Prinzip der vier Kräfte.

Die Kraft des Gesetzes entspricht der grenzenlosen Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo, dem Mystischen Gesetz des Universums. Alle Menschen können durch diese Kraft selbst die Buddhaschaft in ihrem Leben hervorbringen. Die Kraft des Buddha zeigt sich in den Tugenden Weisheit, Mut und Mitgefühl. Es ist die Kraft, mit welcher der Buddha den Schwur leistete, allen Menschen den Weg zu ihrer Buddhaschaft zu öffnen.

Die Kraft des Gesetzes und die Kraft des Buddha: Diese beiden Kräfte stellte Nichiren Daishonin im Gohonzon dar. Im Zentrum des Gohonzon steht Nam-Myoho-Renge-Kyo und darunter „Nichiren“. Daher verkörpert der Gohonzon das Prinzip des Buddhas, der eins ist mit dem Mystischen Gesetz. Mit der Einschreibung des Gohonzon eröffnete Nichiren allen Menschen die Möglichkeit, sich direkt mit dem Buddha und dem Gesetz zu verbinden. Auf diese Weise können ausnahmslos alle Menschen die grenzenlose Kraft von Nam-Myoho-Renge-Kyo und die Tugenden Weisheit, Mut und Mitgefühl ganz konkret im eigenen Leben erfahren.

Wir müssen die Kräfte von Buddha und Gesetz also nicht irgendwo suchen, sie sind bereits im Gohonzon verkörpert. Aber wie können wir unser Leben damit verbinden? Der Schlüssel ist die Kraft unseres Glaubens und unserer Ausübung. Das erläutert Nichiren Daishonin folgendermaßen: „Wenn wir Myoho-Renge-Kyo, das unserem Leben innewohnt, als Objekt der Widmung hochhalten, werden wir die Buddhanatur in uns hervorrufen und manifestieren, indem wir Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren. Das ist mit ‚Buddha‘ gemeint. (…) Wenn wir mit unserem Mund das Mystische Gesetz rezitieren, wird unsere Buddhanatur, so herbeigerufen, unweigerlich erscheinen.“ (Die Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, S. 1097)

Nichiren Daishonin betont also, dass wir selbst es sind, die die Buddhaschaft hervorrufen. Wir erhalten die Kraft der Buddhaschaft nicht etwa von außen, sondern rufen sie durch die Kraft des Glaubens und die Kraft der Ausübung aus unserem Inneren hervor. Die Kraft des Glaubens ist das Vertrauen, dass die große Lebenskraft des Buddha auch in unserem Leben existiert – und dass alle Menschen gleichermaßen mit dem Potenzial des Buddhas der grenzenlosen Freude ausgestattet sind. Die Kraft der Ausübung ist das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo für unser eigenes Glück und das Glück unserer Mitmenschen. Außerdem beinhaltet die Ausübung die Tat, auch anderen Menschen den Weg zum Glück zu zeigen.

Im Alltag ist es jedoch gar nicht so leicht, diese Lebenseinstellung beizubehalten. Deshalb erklärt Nichiren Daishonin, dass wir dazu einen „klaren Spiegel“ benötigen. Dieser klare Spiegel ist der Gohonzon. Der Gohonzon erinnert uns immer wieder daran, dass die Kraft des Buddha und die Kraft des Gesetzes in unserem eigenen Leben existieren. Deshalb dürfen wir den Gohonzon nicht außerhalb von uns suchen.

In dem Maße, wie wir selbst die Kräfte des Glaubens und der Ausübung aufbringen, können wir die Kräfte des Gesetzes und des Buddha erleben. SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert dazu: „Indem wir zum Gohonzon beten, werden wir im gegenwärtigen Augenblick eins mit dem ewigen und universellen Leben. Wir öffnen einen Lebenszustand, mit dem wir von dort, wo wir gerade sind, das ganze Universum erfassen können. Durch unsere tägliche Ausübung des Gongyo und des Chantens von Daimoku können wir den Schatzturm in uns selbst, in unseren täglichen Handlungen und unserem Leben erstrahlen lassen. Das ist das Wunder des Gohonzon. Ein prachtvoller ‚Kosmos‘ des Lebens eröffnet sich in uns und die Realität erweist sich als eine Welt der Schaffung von Werten.“ (Die Welt der Schriften Nichiren Daishonins, Band 1, Seite 282).