Die vier Tugenden

Wenn die Blätter fallen und es Herbst wird, stellen wir mit Bedauern fest, dass der Sommer nun vorüber ist und die kalte, dunkle Jahreszeit beginnt. Der Wechsel der Jahreszeiten macht uns bewusst, wie schnell unser Leben an uns vorbeizieht – ohne dass wir recht wissen, wer wir eigentlich sind. Wir leben in „unsicheren Zeiten“: Klimawandel, Umweltverschmutzung und unberechenbare Machthaber bedrohen Sicherheit und Frieden. Auch auf der persönlichen Ebene läuft es nicht immer harmonisch: Unsere Eltern werden älter und manchmal krank, unser Arbeitsplatz ist unsicher, in der Familie gibt es Streit … Wer sich von der weit verbreiteten Negativität und Hoffnungslosigkeit anstecken lässt, fühlt sich oft ohnmächtig. Gefühle der Vergänglichkeit und das ständige Bedürfnis nach mehr Glück, Geld oder Anerkennung resultieren häufig in einem Gefühl der inneren Leere.

Mit der Ausübung des Buddhismus können wir dieser negativen Grundstimmung etwas Dynamisches und Positives entgegensetzen. Denn Nichiren Daishonin und das Lotos-Sutra lehren, dass wir Gefühle wie Vergänglichkeit, Ohnmacht, Gier und innere Leere verwandeln können in die vier Tugenden des Buddha: Ewigkeit, Wahres Selbst, Reinheit und Glück. So sagt Nichiren Daishonin: „Wenn wir in den vier Phasen von Geburt, Alter, Krankheit und Tod Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren, kehrt dort der Duft der vier Tugenden ein. Nam steht für die Tugend ‚Glück‘, Myoho steht für die Tugend ‚Wahres Selbst‘, Renge für die Tugend ‚Reinheit‘ und Kyo für die Tugend ‚Ewigkeit‘“. (Aufzeichnung der mündlich überlieferten Lehren, Seite 90).

Die Tugend „Glück“ bedeutet hier, echten inneren Frieden und Glück zu erlangen. Durch das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo können wir frei von Angst und Sorgen leben. Weil wir darauf vertrauen, dass wir alle Leiden in Glück verwandeln können, werden wir immer zuversichtlicher und gelassener. So können wir unser höchstes Potenzial entfalten und das Leben mit all seinen Facetten genießen – als ein Mensch mit fröhlichem Herzen.

Die Tugend „Wahres Selbst“ bedeutet, echte Unabhängigkeit zu gewinnen. Unsere buddhistische Ausübung befähigt uns, unser oberflächliches, begrenztes Selbst zu überwinden. Wir offenbaren unser größeres Selbst, das eins ist mit dem Mystischen Gesetz von Nam-Myoho-Renge-Kyo.

Die Tugend „Reinheit“ bezeichnet die Errichtung eines Lebenszustandes echter Integrität. Durch unsere Ausübung als mitfühlende Bodhisattvas lassen wir uns nicht länger von unseren Bedürfnissen bestimmen. Stattdessen können wir unser Leben in der Tiefe reinigen: So wie die Lotos-Blüte nicht vom Morast beschmutzt wird, in dem sie wächst, können auch wir unbeeinflusst bleiben von der Negativität der Gesellschaft. Wir können sogar einen Prozess der Reinigung in unserer Umgebung anstoßen.

Die Tugend „Ewigkeit“ schließlich bedeutet, durch das Chanten einen Lebenszustand zu festigen, mit dem wir das Leben vom Standpunkt der Ewigkeit aus betrachten können. Wir werden befähigt, die Zusammenhänge des Lebens in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erkennen. So wird es möglich, eine Lösung für alle Schwierigkeiten zu finden, die uns begegnen. Unser Leben fließt über vor Lebenskraft und jugendlicher Dynamik. SGI-Präsident Daisaku Ikeda erläutert, was das konkret bedeutet:

„Indem Sie für das eigene und das Glück anderer Nam-Myoho-Renge-Kyo rezitieren und verbreiten, festigen die Ausübenden in ihrem Inneren den edlen Zustand der Buddhaschaft. Dieser Zustand ist erfüllt von den vier Tugenden Ewigkeit, Glück, Wahres Selbst und Reinheit. Das Leben ist vergänglich und zuweilen überschattet von den Leiden aus Geburt, Alter, Krankheit und Tod. Doch durch das Rezitieren von Nam-Myoho-Renge-Kyo wird ein in diesen Leiden gefangenes Leben umgewandelt in ein Leben voller Wert und großartiger innerer Würde, das den Duft der vier Tugenden Ewigkeit, Glück, Wahrem Selbst und Reinheit verströmt.“ (Das Prinzip Hoffnung, Band 2, Seite 172 ff.)