HÄUFIGE FRAGEN

 
Wie sieht die buddhistische Ausübung aus?
Die buddhistische Ausübung der Soka Gakkai beruht auf drei Pfeilern: Glaube, Ausübung und Studium. Glaube bedeutet, auf das höchste Potenzial des eigenen Lebens zu vertrauen: die Buddhanatur. Ausübung heißt, für das eigene Glück und das der anderen Menschen zu leben – und die buddhistische Philosophie in die Gesellschaft zu tragen. Das buddhistische Studium dient dazu, Glaube und Ausübung kontinuierlich zu stärken.

Eine Besonderheit der buddhistischen Ausübung in der Soka Gakkai ist ihr enger Bezug zum Alltagsleben. Es geht also keineswegs darum, sich in sich selbst oder an einen abgeschiedenen Ort zurückzuziehen. Vielmehr praktiziert jedes Soka Gakkai-Mitglied inmitten der Herausforderungen des Alltags: jeden Morgen und jeden Abend bei sich zuhause oder im Rahmen buddhistischer Treffen. Diese grundlegende Ausübung wird Gongyo genannt. Sie besteht aus dem Chanten (Singen bzw. Rezitieren mit lauter Stimme) von Nam-Myoho-Renge-Kyo und dem Rezitieren zweier Abschnitte aus dem Lotos-Sutra. Das Ziel der Ausübung ist, die unserem Leben innewohnende Buddhanatur zu öffnen. Mut, Weisheit und Mitgefühl sind Eigenschaften dieses höchsten Lebenspotenzials. Damit wird es möglich, jegliche Herausforderung zu meistern, das eigene Leben kreativ zu gestalten und zum Glück anderer beizutragen. Das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo und das Studium der Lehren des Buddhismus stärken das eigene Leben von innen.

Die regelmäßigen Treffen der Soka Gakkai stehen jedem offen. Im Anschluss an die gemeinsame buddhistische Ausübung von Gongyo und dem Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo tauschen die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit der buddhistischen Praxis aus oder studieren die Philosophie des buddhistischen Humanismus. Die buddhistische Ausübung befähigt die Menschen ganz natürlich, ihr Leben selbstbestimmt und verantwortungsbewusst zu gestalten und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Welcher buddhistischen Tradition gehört die Soka Gakkai an?
Die Mitglieder der Soka Gakkai üben den Nichiren-Buddhismus aus. Begründer dieser Schule ist Nichiren, ein buddhistischer Mönch, der im 13. Jahrhundert in Japan lebte. Der Nichiren-Buddhismus basiert auf dem von Shakyamuni gelehrten Lotos-Sutra, geht also auf die Ursprünge des Buddhismus zurück. Das Lotos-Sutra ist eines der bekanntesten Sutras des Mahayana-Buddhismus. Nichiren studierte die buddhistischen Texte intensiv und untersuchte die zu seiner Zeit vorherrschenden Aussagen der unterschiedlichen buddhistischen Schulen eingehend. Er kam zu dem Schluss, dass im Lotos-Sutra Shakyamunis mitfühlende Absicht und wesentliche Aussage zu finden ist: Alle Menschen bzw. Lebewesen besitzen die Buddhanatur und somit das Potenzial zur Erleuchtung – unabhängig von Nationalität, Geschlecht, sozialer Stellung oder Bildung. Die Lotosblume (japanisch: Renge), die tief im Morast wurzelt und ihre reinen Blüten an der Wasseroberfläche öffnet, symbolisiert, wie man den erleuchteten Lebenszustand der Buddhaschaft inmitten seiner alltäglichen Probleme und Kämpfe hervorbringen kann.
Müssen Mitglieder der Soka Gakkai bestimmte Regeln befolgen?
Die buddhistische Ausübung des Nichiren-Buddhismus in der Soka Gakkai ist eine Lehre der Selbstbefähigung. Es gibt weder Dogmen noch feste Vorschriften, die das Leben der Soka Gakkai-Mitglieder bestimmen. Jede und Jeder wird ermutigt, ein konstruktives, selbstverantwortliches Leben zu führen. Wer chantet und sich bei verschiedenen Aktivitäten der SGI engagiert, entwickelt ganz natürlich den Wunsch, einen positiven Beitrag zum Glück anderer und zu einer harmonischeren Gesellschaft zu leisten. Das Lotos-Sutra stellt die Würde des Lebens und den einzigartigen Wert aller Lebewesen in den Mittelpunkt. Die buddhistische Lehre ist Ausdruck des tiefen Vertrauens in die menschliche Fähigkeit, die wahre Natur der eigenen Gedanken, Worte und Handlungen zu erkennen.

Auf dieser Basis befähigt die Ausübung des Buddhismus, Entscheidungen im Leben zu treffen, die dem eigenen Glück und dem Glück anderer förderlich sind. Durch die tägliche buddhistische Praxis findet man auf ganz natürliche Weise immer mehr zu der Haltung, das eigene, das Leben anderer, das Leben an sich wertzuschätzen, andere Menschen zu unterstützen und zu fördern. Die Charta der SGI definiert die Ziele und Grundsätze der Glaubensgemeinschaft für eine friedliche menschliche Koexistenz.

Warum ist es wichtig, den Nichiren-Buddhismus mit anderen Menschen gemeinsam zu praktizieren?
Im Buddhismus geht es darum, die Grenzen des „kleinen Selbst“ zu überwinden und sich mehr und mehr für das das Gute stark zu machen. Deshalb zielt die buddhistische Ausübung darauf ab, sein eigenes Leben positiv zu entwickeln und gleichzeitig auf die Bedürfnisse anderer zu achten. Ob man gerade mit der buddhistischen Praxis begonnen hat oder schon viele Jahre dabei ist: Wer mit anderen in Dialog tritt, diverse Meinungen hört und sich mit vielen unterschiedlichen Menschen austauscht, macht eine größere Entwicklung als jemand, der im stillen Kämmerlein für sich alleine praktiziert. Im lokalen und globalen SGI-Netzwerk können Menschen sich gegenseitig ermutigen, Freundschaften schließen und sich in ihrem gemeinsamen Prozess der menschlichen Revolution und des Strebens nach Glück und Frieden bestärken. Als eine Gemeinschaft, die sich für eine positive Veränderung in der Welt einsetzt, kann die Soka Gakkai mehr Einfluss nehmen als Individuen, die alleine handeln – zum Beispiel mit Ausstellungen oder der Realisierung zivilgesellschaftlicher Projekte.
Welchen gesellschaftlichen Beitrag leistet die Soka Gakkai?
Basierend auf dem Glauben an das grenzenlos positive menschliche Potenzial und den Respekt vor der Würde des Lebens setzt sich die Soka Gakkai aktiv für die Förderung von Frieden, Kultur und Erziehung bzw. Bildung ein. Dreh- und Angelpunkt sind dabei die individuellen Bemühungen von Millionen einzelner Soka Gakkai-Mitglieder in ihren Familien, am Arbeitsplatz und im weiteren persönlichen Umfeld. Auf Grundlage einer ständigen Selbst-Revolution als Mensch setzen sie sich dafür ein, anderen Hoffnung zu vermitteln, sie zu einem positiven Wachstum zu befähigen, ein friedlicheres Miteinander zu fördern und Leben und Umwelt zu schützen.

Lokale Gruppen der Soka Gakkai in den einzelnen Ländern realisieren darüber hinaus Projekte wie Umweltschutzaktionen, Vorträge und Diskussionen über Gewaltfreiheit und eine Kultur des Friedens, interreligiöse Dialoge sowie kulturelle Aktivitäten. Auf internationaler Ebene unterstützt die SGI die Vereinten Nationen mit Verbindungsbüros in New York, Genf und Wien. Sie engagiert sich in der öffentlichen Bildungsarbeit mit Schwerpunkt auf den Themen Frieden und Abrüstung, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung. Bei Naturkatastrophen kann sie ggf. humanitäre Hilfe bereitstellen. Als aktives Mitglied in verschiedenen NGO-Netzwerken und -Partnerschaften engagiert sich die SGI auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.

Woran glauben Soka Gakkai-Buddhist*innen? Was ist „Erleuchtung“?

Vielleicht zuerst die Frage, woran Buddhist*innen NICHT glauben: nämlich an ein übergeordnetes, transzendentes Wesen, eine höhere Macht, die das Schicksal der Menschen lenkt. Vielmehr sind Buddhist*innen davon überzeugt, dass jeder Mensch ein grenzenloses positives Potenzial besitzt. Damit verfügt ein jeder über die Kraft, das eigene Leben zum Besseren zu wenden. Dank der buddhistischen Ausübung können Menschen ein erfülltes und glückliches Leben führen. Gleichzeitig werden sie ganz natürlich die Fähigkeit entwickeln, etwas Positives zur Welt beizutragen.

Der Buddhismus lehrt, dass alles Leben von einem universalen Gesetz (Dharma) durchdrungen ist. Dadurch sind alle Phänomene, alle Lebewesen miteinander verbunden. Wie die buddhistische Philosophie betont, ist jeder selbst für die Richtung seines eigenen Lebens verantwortlich. Wir selbst sind also die Ursache jeglicher Entwicklung: Eine positive Veränderung der eigenen Überzeugung oder Haltung führt zu einer ebenso positiven Veränderung der äußeren Umstände und wirkt sich auch auf die Menschen in unserer Umgebung aus.

Nichiren, ein buddhistischer Mönch, der im 13. Jahrhundert in Japan lebte, begründete das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo als eine Ausübung, die jedem ermöglicht, sein Leben mit dem Gesetz (Dharma) zu harmonisieren. Wer chantet, kann sich mit dem grenzenlosen Leben des Universums verbinden und erfährt Weisheit, Mut, Lebenskraft und Mitgefühl. Mit dem Begriff „Erleuchtung“ verbinden viele das Bild von Menschen, die auf der Suche nach übernatürlichen Kräften Askese praktizieren. Nichiren lehrte jedoch ein anderes Verständnis von Erleuchtung: Ihm zufolge geht es dabei um die Verschmelzung unseres subjektiven Verstands mit der objektiven Lebens-Wirklichkeit – das heißt, eine vollkommene Erkenntnis über die Realitäten dieser Welt. Erleuchtung ist dabei kein Zielpunkt, den wir eines Tages erreichen. Erleuchtung bedeutet vielmehr eine beständige, tägliche Herausforderung und die Erneuerung des Entschlusses, unser Mitgefühl und unsere Menschlichkeit zu kultivieren. So können wir uns selbst und die Menschen in unserer Umgebung stärken und positiv beeinflussen.

Welche konkrete Wirkung hat das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo?
Jeden Morgen und Abend Gongyo zu praktizieren und Nam-Myoho-Renge-Kyo zu chanten ist eine Bemühung, die die Ausübenden des Nichiren-Buddhismus aus eigener Motivation heraus machen. Natürlich soll sich diese Widmung an die buddhistische Ausübung auch im eigenen Leben zeigen. In der Soka Gakkai spricht man deshalb von der Wichtigkeit einer tatsächlichen positiven Veränderung im eigenen Leben. Wie Nam-Myoho-Renge-Kyo genau wirkt, ist allerdings gar nicht so leicht zu beschreiben: Schließlich ist der Buddhismus eine spirituelle Ausübung und die Erfahrungen mit der Wirkung sind sehr individuell. Die Wirkung des Chantens in Worte fassen zu wollen ist so, als würde man versuchen, jemandem den Geschmack von Erdbeeren zu beschreiben, ohne die Früchte jemals kosten zu lassen. Daher werden am Nichiren-Buddhismus interessierte Menschen häufig ermutigt, die buddhistische Praxis eine Zeit lang selbst auszuprobieren, damit sie erfahren können, wie das Chanten wirkt.

Wichtig ist: Nam-Myoho-Renge-Kyo ist kein nach außen oder an eine höhere Macht gerichtetes Gebet. Vielmehr drückt das Chanten den Entschluss aus, das eigene Leben mit dem Rhythmus des Universums in Einklang zu bringen. Dadurch öffnet man sein höchstes Potenzial, die Buddhanatur. Viele Menschen berichten, dass sie durch das Chanten mehr Klarheit, Energie, Gelassenheit und Lebensfreude gewinnen. Dadurch können sie nach und nach nicht nur das eigene Leben glücklicher gestalten. Auch die unmittelbare Umgebung, zum Beispiel die Familie, der Job oder die Nachbarschaft, wird auf Basis der täglichen buddhistischen Ausübung immer harmonischer.

Darf ich für meine Wünsche chanten oder muss ich versuchen, sie auszulöschen?

Ohne konkrete Ziele können wir uns als Mensch nicht entwickeln. Deshalb wird man in der Soka Gakkai stets ermutigt, seine Wünsche und Träume klar zu formulieren und sich für deren Verwirklichung einzusetzen. Viele denken, im Buddhismus gehe es um eine asketische Ausübung und die Auslöschung eigener Wünsche und Bedürfnisse. Nichirens Lehren zufolge sind Wünsche jedoch eine Art Antriebsmotor auf unserem Weg zur Erleuchtung. Deshalb sollen wir sie keinesfalls ignorieren oder auslöschen, sondern in etwas transformieren, das einen Wert für uns und andere schafft. Wer kontinuierlich den Nichiren-Buddhismus ausübt, entwickelt sein Leben ganz natürlich in eine positive Richtung und auch die Qualität der eigenen Wünsche verändert sich. Anstatt nur den eigenen Vorteil zu suchen und oberflächlichem, kurzfristigem Glück nachzujagen, entwickeln wir Wünsche, die sowohl uns selbst als auch anderen und sogar der Welt als Ganzem Nutzen bringen.

Warum bezeichnet sich die Soka Gakkai als buddhistische Laiengemeinschaft?
In der Soka Gakkai gibt es keine Priester und Tempel. Die Mitglieder der Soka Gakkai sind Menschen wie Du und ich, die sich aus eigener Motivation heraus engagieren. Sie führen ihre tägliche buddhistische Praxis in erster Linie zuhause durch. Buddhistische Treffen finden gewöhnlich in privaten Wohnungen statt. Für größere Veranstaltungen gibt es die Gemeinschaftszentren der Soka Gakkai. Mitglieder der Soka Gakkai leben und arbeiten im Herzen der Gesellschaft; ihre buddhistische Ausübung ist fester Bestandteil ihres Alltagslebens. Bis 1991 war die Soka Gakkai der Nichiren Shoshu, einem orthodoxen buddhistischen Orden, angeschlossen. Heute ist die Soka Gakkai eine echte Graswurzelbewegung: Sie setzt Nichirens Absicht, allen Menschen ohne Unterschied die Verwirklichung ihrer Buddhaschaft zu ermöglichen, inmitten der Herausforderungen der Gesellschaft um.
Ich finde es schwierig, meinen Kopf frei von Gedanken zu machen. Kann ich trotzdem Buddhist*in sein?
Ja, natürlich! Viele Dinge im Kopf zu haben ist menschlich – und das „Gedankenkarussell“ lässt sich auch während unserer buddhistischen Ausübung oft nicht einfach anhalten. Wir können aber darauf vertrauen: Durch das Chanten von Nam-Myoho-Renge-Kyo entwickeln wir ganz natürlich die Fähigkeit, uns besser zu konzentrieren und unsere inneren Zustände klarer zu sehen. Dadurch können wir alles in eine konstruktivere Richtung lenken. Denn das Ziel der buddhistischen Ausübung in der SGI ist, unsere positiven Eigenschaften zu stärken und ein erfülltes, Werte schaffendes Leben zu führen.

Nichiren schreibt „Werden Sie Meister Ihres Herzens, anstatt sich von Ihrem Herzen meistern zu lassen“. Den eigenen Geist zu beruhigen, kann eine positive Wirkung des Chantens sein. Es ist jedoch keine Voraussetzung und auch nicht das Ziel der buddhistischen Ausübung in der Soka Gakkai. Wir möchten vielmehr die in uns vorhandene Lebenskraft, Weisheit und Mitgefühl anzapfen und diese Qualitäten in unserem Leben zum Tragen bringen. Der Nichiren-Buddhismus ist dazu da, dass jeder Mensch im Leben gewinnen und zum Glück anderer beitragen kann. Wer Großes im eigenen Leben und der Welt bewegen möchte, braucht dafür auch konstruktive Ideen und konkrete Handlungen.

Was ist die Rolle von Daisaku Ikeda als Präsident der SGI?
Daisaku Ikeda (geb. 1928) schreibt Essays, Artikel und Bücher, in denen er die Prinzipien der buddhistischen Philosophie Nichirens und des Lotos-Sutra mit engem Bezug zum Alltag erläutert. Sein zentrales Anliegen dabei ist, die Mitglieder und Freunde der Soka Gakkai auf der ganzen Welt zu inspirieren und zu ermutigen. Mehrmals im Monat tauscht sich SGI-Präsident Daisaku Ikeda mit Vertreter*nnen der Soka Gakkai und der SGI aus, um sie in ihren Bemühungen zu unterstützen, die buddhistische Philosophie für Glück und Frieden in die Tat umzusetzen. Die Förderung von Jugendlichen liegt ihm besonders am Herzen, weil er das, was er unter anderem von seinen Mentoren Tsunesaburo Makiguchi und Josei Toda lernen konnte, an die nächste Generation weitergeben möchte. Außerdem führt er Dialoge mit führenden Denkern und Persönlichkeiten. Zielsetzung dieser Gespräche ist ein konstruktiver Austausch zur Bewältigung globaler Probleme und der Erschaffung einer friedlichen Welt.
Welche Glaubensgrundsätze vertritt Daisaku Ikeda?
Daisaku Ikeda vertraut auf das grenzenlose, positive Potenzial aller Menschen. Er ist davon überzeugt, dass es möglich ist, in Frieden und Harmonie mit unserer Umgebung zu leben. Sein Mittel der Wahl, um jegliche trennenden Gräben zu überbrücken, ist der nachhaltige Dialog. Dabei vertritt er die Überzeugung, dass die innere Veränderung oder „menschliche Revolution“ eines einzelnen Menschen die Welt zum Besseren verändern kann. Die von ihm vermittelten Glaubenssätze und Leitgedanken basieren auf den Prinzipien des Nichiren-Buddhismus und des Lotos-Sutra, das in der Tradition des Mahayana-Buddhismus steht.

Zu den wichtigsten Grundsätzen gehören:

  • die Einheit des Lebens und seiner Umgebung
  • die Einheit von Körper und Geist
  • die Verbundenheit allen Lebens
  • die Ewigkeit des Lebens
  • die Verantwortung jedes Menschen für sein eigenes Schicksal
  • der Wert der Verschiedenheit und die Einzigartigkeit jeder Person
  • das Engagement für das Glück anderer als größtes Glück
Welchen konkreten Beitrag leistet Daisaku Ikeda zum Frieden?
1928 in Tokio geboren, erlebte Daisaku Ikeda als Teenager das verheerende Leid und die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges. Seine damaligen Erfahrungen ließen in ihm den Wunsch reifen, sein Leben der Erschaffung von Frieden zu widmen. Unter anderem war es ihm ein großes Anliegen, die konfliktgeladene Beziehung zwischen Japan und China zu harmonisieren.

Seit mehr als 70 Jahren hat sich Ikeda kontinuierlich für die Abschaffung von Atomwaffen eingesetzt: zum Beispiel mit Unterschriftenaktionen, konkreten Abrüstungsvorschlägen, Essays und Artikeln. Ikedas Bemühungen für den Frieden reichen von Bürgerdiplomatie während des Kalten Krieges (hierbei insbesondere sein Einsatz zum Abbau der Spannungen zwischen China und der UdSSR) bis zu Dialogen mit Persönlichkeiten auf der ganzen Welt. Mehr als 50 dieser Dialoge sind in Buchform veröffentlicht worden – immer mit dem Ziel, Netzwerke des Vertrauens unter vielen Menschen aus der ganzen Welt zu knüpfen.

Ikeda veröffentlicht seit 1983 jedes Jahr einen Friedensappell. Darin erläutert er seine auf dem buddhistischen Humanismus beruhenden Gedanken zur Lösung globaler Herausforderungen. Sie sollen Mut machen, auch selbst für den Frieden aktiv zu werden. Ikeda hat mehrere Einrichtungen gegründet, die Frieden, humanistische Bildung und kulturellen Austausch fördern.

Warum betrachten viele Soka Gakkai-Mitglieder Daisaku Ikeda als ihren buddhistischen Meister?
Im Buddhismus spielt das gemeinsame Engagement von Meister und Schüler eine zentrale Rolle. Der Meister inspiriert die Schüler durch sein eigenes Vorbild und befähigt sie, als Mensch so zu wachsen, dass sie ihn schließlich überflügeln. Daisaku Ikeda besitzt ein sehr tiefes Verständnis des Buddhismus und setzt sich mit ganzer Kraft dafür ein, seine Erkenntnisse und Erfahrungen weiterzuvermitteln. Deshalb betrachten viele Mitglieder der Soka Gakkai ihn als ihren Meister bzw. spirituellen Lehrer. Ikeda ermutigt die Menschen kontinuierlich dazu, auf Grundlage der buddhistischen Philosophie und Ausübung ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu führen.

Wie Ikeda häufig betont, verdankt er alles in seinem Leben Erreichte seinem eigenen Lehrer und Meister, dem zweiten Präsidenten der Soka Gakkai, Josei Toda (1900–1958). Toda wiederum betrachtete Tsunesaburo Makiguchi (1871–1944), den Gründer der Soka Gakkai, als seinen Meister. Die Überlieferung der Lehren vom Meister zum Schüler hat im Buddhismus eine lange Tradition. Der Meister oder Mentor strebt vor allem danach, das von ihm Gelernte und Erfahrene weiterzugeben und die Entwicklung des Schülers so zu fördern, dass dieser ihn schließlich übertrifft. Auf diese Weise wird die kontinuierliche, generationsübergreifende Weitergabe des Buddhismus gesichert. Meister und Schüler setzen sich gemeinsam dafür ein, die friedlichen Grundsätze des Buddhismus zu verbreiten. Auch wenn Meister und Schüler sich vielleicht niemals physisch begegnen, können sie auf Grundlage ihrer gemeinsamen Vision eine tiefe Verbindung von Leben zu Leben aufbauen. Das ermutigt Menschen mehr als jede theoretische Erklärung und befähigt sie, ihre individuellen Herausforderungen zu meistern und im Leben zu gewinnen.

Wo finde ich eine Übersicht der Bücher von Daisaku Ikeda?
Daisaku Ikeda ist Autor zahlreicher Bücher zu unterschiedlichen Themen. Das inhaltliche Spektrum reicht vom Buddhismus über Gesundheit und Förderung der Jugend bis hin zur Friedensarbeit. Zu den Veröffentlichungen Ikedas gehören über 50 Dialoge mit Experten verschiedener Fachrichtungen. Viele Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Das Werk, das in die meisten Sprachen übersetzt wurde, ist Wähle das Leben, ein Dialog mit dem britischen Historiker Arnold Toynbee. Es liegt in 28 Sprachen vor.

Bücher von Daisaku Ikeda: in deutscher Sprache
Bücher von Daisaku Ikeda: in englischer Sprache

An welchen Graswurzel-Aktivitäten ist die SGI beteiligt?
Das wesentliche Ziel des Buddhismus und der Soka Gakkai besteht darin, eine gerechtere, nachhaltigere und friedlichere Welt zu erschaffen. Deshalb engagieren sich viele SGI-Mitglieder auch auf gesellschaftlicher Ebene. Verschiedene Soka Gakkai-Gruppen überall auf der Welt beteiligen sich an Projekten, die zur Situation und Kultur des jeweiligen Landes bzw. der Region passen. Beispiele für Aktionen reichen von der Befreiung eines Parks von Abfall über die Durchführung einer Konferenz zu der Rolle von Frauen für den Frieden bis hin zu einer Ausstellung über die Auswirkungen von Atomwaffen.

Schwerpunkt unserer Bildungsarbeit sind die Themen Frieden und Abrüstung, nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte. Die SGI-Deutschland (SGI-D) hat beispielsweise mit UNESCO und UNICEF bei einer Kinderbilder-Ausstellung kooperiert und ist Teil der Erd-Charta-Initiative. Die SGI ist aktiver Partner der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Ein Schwerpunkt der Kooperation zwischen der SGI und ICAN liegt auf der Bereitstellung von Materialien zur Bildung und Aufklärung. Hierzu gehören Zeitzeugenberichte aus Hiroshima und Nagasaki: Frauen erheben ihre Stimmen für den Frieden (2009), eine DVD mit Kurzinterviews mit Hibakusha aus Hiroshima und Nagasaki und die Ausstellung Die Würde des Lebens beschützen. Für eine Welt ohne Atomwaffen (2012). Letztere wurde bereits in 79 Städten in insgesamt 19 Ländern auf der ganzen Welt gezeigt. Im September 2017 entstand durch eine Gemeinschaftsproduktion von SGI und ICAN ein Zeichentrickfilm über die Bedeutung des Atomwaffenverbotsvertrags. Die SGI-D ist gleichzeitig Mitglied im Trägerkreis atomwaffenfrei.jetzt.

Viele Mitglieder der Soka Gakkai setzen die gesellschaftliche Verpflichtung der Glaubensgemeinschaft ganz individuell in ihrem Lebensalltag um, indem sie in ihrem direkten Lebensumfeld zu einer Verbesserung in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und der Gesellschaft beitragen.

Wie steht die Soka Gakkai zu den Vereinten Nationen?
Die Vereinten Nationen (United Nations, UN) ermöglichen es, auf globaler Ebene Problemlösungen zu erarbeiten. Daher betrachtet die Soka Gakkai die UN als ein lebenswichtiges Organ für die internationale Zusammenarbeit. Um die Arbeit der UN zu unterstützen, hat die SGI öffentliche Bildungsprogramme im Rahmen der UN-Dekaden Internationale Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zugunsten der Kinder der Welt und Bildung für nachhaltige Entwicklung durchgeführt. Als Nichtregierungsorganisation (NGO) mit formeller Anbindung an die Vereinten Nationen ist die Soka Gakkai seit 1981 der UN-Hauptabteilung Presse und Information und dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) angegliedert. Seit 1983 hat die SGI beratenden Status im Wirtschafts- und Sozialrat der UN. Die Verbindungsbüros zur UN in New York und Genf unterstützen UN-Prozesse und arbeiten mit anderen NGOs zusammen – zur Förderung von Abrüstung, Menschenrechtsbildung und interreligiöser Zusammenarbeit.
Betreibt die SGI politische Lobby-Arbeit?
Als NGO fördert die SGI in Zusammenarbeit mit anderen NGOs und UN-Institutionen nukleare Abrüstung, Menschenrechtsbildung und nachhaltige Entwicklung. Außerhalb Japans beteiligen sich SGI-Gemeinschaften ausdrücklich nicht an politischen Aktivitäten.
Aus besonderen historischen Gründen, die ausschließlich für Japan gelten, ist die Soka Gakkai in Japan Hauptunterstützerin der Partei Neue Komei. Sie setzt sich für Frieden und Umweltschutz ein und möchte den Menschen eine Stimme geben, die in der Gesellschaft am schutzbedürftigsten sind.

Hier können Sie mehr über die Beziehung zwischen der Komei-Partei und der Soka Gakkai in Japan erfahren (auf Englisch).

Warum betont die Soka Gakkai die individuelle Selbstbefähigung (Empowerment)?

Der Buddhismus bestärkt Menschen in der Möglichkeit einer von innen heraus motivierten Veränderung. Kraft dieses Prozesses, so die Überzeugung, bringen wir unser volles Potenzial als Mensch hervor. Wie der Nichiren-Buddhismus lehrt, können wir unser eigenes Leben und die Welt nur dann zum Besseren verändern, wenn wir bereit sind, unsere Herausforderungen sorgfältig zu betrachten und zu überwinden. Auch wenn Institutionen oder Regierungen eine wichtige Rolle für gesellschaftliche Veränderungen spielen: Die Veränderung, die im Leben eines einzelnen Menschen beginnt, ist der sicherste und nachhaltigste Weg, die individuellen und globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzugehen. Angesichts dieser teilweise überwältigenden Probleme fühlen sich viele Menschen hoffnungslos. Daher stärkt die Soka Gakkai die Menschen in ihrer Überzeugung, sich selbst und die äußeren Umstände aus eigener Kraft verändern zu können. Buddhistische Aktivitäten, von der Soka Gakkai initiierte öffentliche Bildungsarbeit und gemeinnützige Initiativen dienen dazu, Menschen zu dieser Selbstbefähigung zu inspirieren.

Wie arbeitet die Soka Gakkai mit anderen religiösen Gruppen zusammen?
SGI-Gemeinschaften auf der ganzen Welt engagieren sich im interreligiösen Dialog und in interreligiöser Zusammenarbeit. Das Engagement basiert auf der Überzeugung, dass es für alle religiösen Gruppen wichtig ist, Gemeinsamkeiten zu finden und zusammenzuarbeiten. Nur so lassen sich die komplexen Herausforderungen lösen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist. Mitglieder der Soka Gakkai nehmen beispielsweise regelmäßig am Parlament der Weltreligionen und anderen interreligiösen Glaubensforen teil. Der Vertreter der SGI bei den Vereinten Nationen in New York war von 2004 bis 2007 als Präsident des Komitees der religiösen NGOs bei der UN tätig. In Deutschland hat die SGI-D in Kooperation mit der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste über viele Jahre eine interreligiöse Dialogreihe durchgeführt, ist Mitglied u. a. bei der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Berlin e. V. (AKR), dem Berliner Forum der Religionen, dem Interreligiösen Runden Tisch Köln Mülheim (IRRT), dem Friedenstunnel – Bremen setzt ein Zeichen e. V.